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Diversifikation wird im Superwahljahr wichtiger

Immer schwerer zu prognostizieren sind Urnengänge: Nach den unerwarteten Ergebnissen des Brexit-Referendums und der US-Präsidentschaftswahl blieb in den Niederlanden zwar eine Überraschung aus. Aber die wichtigste Wahl des Jahres 2017 für Europas Zukunft kommt noch: Die Präsidentschaftswahl in Frankreich. All diese politischen Unsicherheiten lassen das Investmentrisiko steigen. Eine pan-europäische Diversifikation kann diese Tendenz jedoch ausgleichen.

Die Rechtspopulisten unter Geert Wilders verbuchten am 15. März zwar leichte Stimmengewinne, aber das von Ministerpräsident Mark Rutte angeführte Pro Europa-Lager behielt bei den Parlamentswahlen in den Niederlanden klar die Oberhand. Doch der Höhepunkt des Wahljahrs 2017 findet erst in einigen Wochen bei der französischen Präsidentschaftswahl statt.

Im ersten Wahlgang am 23. April stehen die Chancen der bisher regierenden Sozialisten allerdings noch schlechter als die des konservativen Kandidaten Francois Fillon, der wegen des Skandals um die Scheinbeschäftigung seiner Frau aktuellen Umfragen zufolge derzeit nur auf dem dritten Platz liegt. Dagegen liegen der parteilose Kandidat Emmanuel Macron und Marine le Pen vom Front National fast gleichauf und könnten in der Stichwahl am 7. Mai gegeneinander antreten.

Die Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit dominiert die Wahlprogramme

Der sozialliberale Macron plant einen radikalen Umbau Frankreichs: Steuersenkungen, Abbau von 120.000 Stellen im öffentlichen Dienst, Rückzug des Staates aus Firmenbeteiligungen und die Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit prägen sein Wahlprogramm. Die Rechtsnationalistin Le Pen will die Arbeitslosigkeit ebenfalls abbauen, allerdings mit ganz anderen Mitteln: Sie propagiert mehr Protektionismus, weniger Einwanderung und ein Frexit-Referendum. Ihre Siegchancen in einer Stichwahl gegen Emmanuel Macron oder Francois Fillon stehen allerdings schlecht.

Doch das galt auch im Wahlkampf 2016 für Donald Trump. Trotzdem wurde der Republikaner im November 2016 überraschend zum 45. Präsidenten der USA gewählt. Auch in Großbritannnien kam das Ja beim Brexit-Referendum für viele Finanzexperten unerwartet. Entsprechend erratisch reagierten die Kapitalmärkte. Doch die Investoren haben ihre Lektion gelernt und verlassen sich mittlerweile nicht mehr nur auf die Demoskopen, sondern rechnen mit unwahrscheinlichen Konstellationen nach wichtigen Urnengängen. Das ist wohl die entscheidende Lehre aus dem Wahljahr 2016: Die öffentliche Meinung ist schwerer vorherzusagen als früher.

EZB schiebt Zinswende trotz höherer Inflationsrate auf

Generell rücken 2017 politische Themen stärker in den Blickpunkt der Investoren. Für Immobilienanleger hat die neue Situation elementare Konsequenzen: Die europaweite Diversifikation eines Portfolios ist nun viel wichtiger als vor einigen Jahren. Denn die Europa-Skeptiker wären auch bei einer Niederlage von Marine Le Pen in Frankreich nicht geschlagen.

In Italien ist die Lage seit Matteo Renzis Niederlage beim Verfassungsreferendum im Dezember 2016 ebenfalls kritisch. Um die Anti-EU-Stimmung südlich der Alpen nicht noch mehr aufzuheizen, dürfte EZB-Chef Mario Draghi die Zinswende frühestens 2018 starten, ob die Verbraucherpreise nun in diesem Jahr anziehen oder nicht. Die Nullzinspolitik der Notenbank verhinderte ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone, hatte aber schwere Nebenwirkungen.

„Investoren müssen in Zukunft einen noch stärkeren Fokus auf die Rahmenbedingungen des Marktes und den Standort der Assets legen, um langfristige Risiken begrenzen zu können.“
Dr. Marcus Cieleback, Group Head of Research bei der PATRIZIA Immobilien AG

Immer mehr Kapital fließt mangels Anlagealternativen in Immobilien, vor allem nach Deutschland, wo Kredite besonders günstig sind. So steigen die Preise für Wohnungen und Häuser in den boomenden Metropolregionen rasant. Der Neubau kommt zwar allmählich in Schwung, aber es entsteht zu wenig preiswerter Wohnraum, um die Zuwanderung in die Großstädte und das ohnehin bestehende Defizit in den begehrten Universitätsstädten auszugleichen.

Neben Bestandswohnungen bleiben daher Wohnheime etwa für Studenten ein spannendes Investmentthema. Im Commercial Bereich locken die günstigen Finanzierungsbedingungen und der niedrige Wechselkurs des Euro institutionelle Investoren aus dem Dollar-Raum an. Das stärkt die Nachfrage für langfristig vermietete Büroobjekte in den Metropolen Europas.

Ein Sieg der EU-Gegner bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist unwahrscheinlich, Investoren sollten trotzdem auf der Hut sein und ihr Portfolio regional diversifizieren. „Alle Marktteilnehmer sollten in dem Zeitraum der Wahlen mit Marktturbulenzen rechnen und diese beobachten,“ erklärt Dr. Marcus Cieleback, Group Head of Research bei der PATRIZIA Immobilien AG. „Letztlich eröffnen sie aber für all jene Investoren Chancen, die in der Lage sind, schnell zu handeln.“

Zudem dürften die Euro-Zinsen auf einem niedrigen Niveau verharren, und der Euro 2017 wohl schwach bleiben. Das macht Investments in die europäischen Immobilienmärkte – neben den reinen Diversifikationsvorteilen – für international agierende institutionelle Investoren weiterhin attraktiv.

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