PATRIZIA Sustainable Communities – Nachhaltige Immobilieninvestitionen für eine bessere Zukunft


21 / 11 / 23 - 6 minute read

In einer Welt, die von sozialen und ökologischen Herausforderungen geprägt ist, nehmen Unternehmen verstärkt Verantwortung für ihre Investitionen wahr. PATRIZIA macht mit dem PATRIZIA Sustainable Communities Fund einen wegweisenden Schritt in Richtung nachhaltige Immobilieninvestitionen.

Wir sprachen mit den PATRIZIA Fonds­verantwortlichen, Marleen Bikker- Bekkers und Saskia van den Bronk, über die Philosophie hinter ihren nach­haltigen Zielen und wie diese die Immobilienindustrie verändern können.

Autoren

Andrew Belt

[Translate to Deutsch:]

Simone Wipplinger

Mit dem Launch von PATRIZIA Sustainable Communities ist der Schritt zu Impact Investing in Immobilien vollzogen. Könnt ihr diesen Ansatz für nachhaltige Immobilien-investitionen näher erläutern?

Marleen Bikker-Bekkers:  Wolfgang Egger gründete die PATRIZIA vor 39 Jahren in Augsburg. Auch heute noch ist er Hauptaktionär der PATRIZIA und ein visionärer, inspirierender und engagierter Unternehmer. Der Gedanke der Nachhaltigkeit war dabei für ihn und PATRIZIA von Beginn an elementar. Mit Whitehelm Capital haben wir 2021 einen Spezialisten im Bereich Infrastruktur erworben, dessen Philosophie in Sachen Nachhaltigkeit perfekt zu unserem Ansatz passt und ihn gut ergänzt.

Was verbindet die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen mit den Nachhaltig­keitszielen von Investoren?

Marleen:  Mehr als es auf den ersten Blick scheint. Zwar ist in erster Linie seit 2016 die Staatengemeinschaft Adressat dieser gemeinsamen Vision zur Bekämpfung der Armut und Reduzie­rung von Ungleichheiten. Regierungen und öffentliche Mittel allein können aber nicht genug erreichen. Glücklicherweise gibt es auf der Welt reichlich privates Kapital. Wenn wir dieses Kapi­tal jetzt auf andere, nachhaltigere Weise einsetzen, können wir etwas bewirken. Aus diesem Grund sind wir davon überzeugt, dass Investoren einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der SDGs leisten können.

Diese Überlegungen waren für uns bei PATRIZIA ausschlag­gebend für unsere Selbstverpflichtung, einen aktiven Beitrag zum übergeordneten Ziel der SDGs zu leisten. So wollen wir eine bessere Zukunft für alle schaffen. Unser Anspruch ist dabei um­fassend: Wir wollen die SDGs messbar machen, konkrete Ziele setzen und dabei nicht nur versuchen, sie zu erreichen, sondern ihnen nach Möglichkeit auch voraus zu sein.

Geht ein solcher, fast schon idealistisch anmutender Anspruch nicht zu Lasten der Rendite?

Saskia van den Bronk:  Ganz im Gegenteil: Finanzielle Erträ­ge müssen mit einer gerechten Zukunft Hand in Hand gehen. Deshalb haben wir vier langfristige Nachhaltigkeitsziele identi­fiziert: Soziale Auswirkungen, zum Beispiel durch die Errichtung von Schulen, Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum, Auswir­kungen auf die Umwelt, Auswirkungen auf die Governance und Innovation und Technologie. Letztere brauchen wir, um Immo­bilien und Infrastruktur nachhaltiger zu machen.

Steht hinter diesen Zielen der „duale Ren-diteansatz“, also sowohl finanzielle als auch soziale Vorteile?

Saskia:  Finanzielle und soziale Vorteile gehen beim Impact Inves­ting Hand in Hand. Für unseren Fonds, Sustainable Communities, haben wir drei Themen mittels sogenannter Key Performance Indikatoren, kurz, KPIs, festgelegt: Bezahlbarer Wohnraum, Immobilien mit einem klimafreundlichen CO2-Foot­print und Soziale Inklusion und Konnektivität. Die­se bilden die übergeordneten Ziele der SDGs im Fonds ab und machen sie messbar.

Wie groß ist der Markt?

Marleen:  Der Bedarf an erschwinglichem Wohnraum ist hinlänglich bekannt. Mehr als 80 Millionen Europäer geben einen zu großen Teil ihres Einkommens für ihre Wohnung aus und zahlen mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Fixkosten. Dieser Prozentsatz steigt eher, als dass er sinkt, weil zum Beispiel die Mieten mit der Inflation steigen. Was das Klima betrifft, so sollten alle unse­re Projekte einen CO2-Netto-Null-Status ausweisen. Immobilien können einen wichtigen Beitrag zur Errei­chung der Klimaziele leisten, da derzeit etwa 40 Pro­zent des weltweiten Energieverbrauchs auf Gebäude entfallen. Die Bedeutung von sozialer Inklusion und Zusammenhalt wird durch die Tatsache belegt, dass mehr als 75 Millionen Menschen in Europa in sozialer Isolation leben. Das bedeutet, sie sprechen nicht mit mehr als einer Person pro Monat.

Was wird konkret dagegen unter­nommen?

Marleen:  Wir investieren in die Gemeinschaft, indem wir öffentliche Räume wie Parks, Gemeindezentren und Bibliotheken in oder in der Nähe unserer Woh­nungen schaffen und in diesem Umfeld soziale Pro­gramme durchführen. Die Erfordernis, mit Immobili­en etwas zu bewirken oder zur Erreichung der SDGs beizutragen, ist groß. Leider machen wir in Bezug auf fast alle SDGs weltweit eher Rückschritte als Fortschritte. Natürlich generieren wir auch eine finanzielle Rendite. Wenn wir mit einem Projekt nicht mindes­tens einen internen Zinsfuß (IRR) von zehn Prozent erzielen können, investieren wir nicht in dieses Projekt.

„IMMOBILIEN LEISTEN EINEN WICHTIGEN BEITRAG ZUR ERREICHUNG DER KLIMAZIELE, DA DERZEIT ETWA 40 PROZENT DES WELTWEITEN ENERGIEVERBRAUCHS AUF GEBÄUDE ENTFALLEN.“

Marleen Bikker-Bekkers

Wie messt ihr die Auswirkungen eurer Inves­titionen?

Saskia:  Wir haben einen Rahmen geschaffen, um eine Reihe messbarer Indikatoren für jedes Wirkungsthema zu definieren. Was die Erschwinglichkeit betrifft, so ist das Kriterium, dass die Wohnkosten 35 Prozent des Einkommens nicht überschreiten sollten. Im Bereich Wohnen richten wir uns nur an Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Noch nicht alles ist perfekt messbar. Der Rahmen befindet sich teilweise noch in der Entwicklung.

Lohnt sich der Aufwand?

Saskia:  Der Output lohnt sich auf jeden Fall, nämlich eine ge­rechtere und sauberere Welt. Natürlich nutzen wir die Global Real Estate Sustainability Benchmark (GRESB) auch als Instru­ment zur Messung allgemeiner ESG-Kriterien (also die Abkür­zung für die drei Säulen der Nachhaltigkeit: Environmental, Social, Governance), aber unser Impact-Immobilienfonds PATRIZIA Sustainable Communities brauchte einen eigenen Rahmen, um die von uns definierten Impact-KPIs richtig zu messen und ihn als SFDR-Artikel-9-Fonds anzubieten. Wir investieren nicht alle Vermögenswerte in den Wohnungsbau. Mindestens zehn Prozent – voraussichtlich mehr – investieren wir in öffentliche Einrichtun­gen, darunter Bibliotheken oder Schulen, sowie in Gewerbeim­mobilien, wie zum Beispiel kommunale Einkaufsmöglichkeiten oder Freizeitzentren. Wir können mit Leverage arbeiten, nicht, um das Risiko zu erhöhen, sondern vor allem, weil wir dadurch mehr investieren und noch mehr Menschen zu erschwinglichem Wohnraum oder einem besseren Leben verhelfen können, wo­durch wir unsere Wirkungsziele besser erreichen.

Airton Road - eines der Projekte in Dublin

Nennt doch bitte ein konkretes Beispiel für eine Impact-Investition aus dem Fonds?

Marleen:  Wir setzen mit dem Fonds einen echten Gemein­schaftsgedanken um. Bei unserem ersten Immobilienprojekt in Dublin werden nicht nur Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen gebaut, sondern auch eine Kindertagesstätte und ein Anbau an eine Bibliothek. Wir haben dieses Projekt nicht nur gewählt, weil sich die Gelegenheit dazu bot, sondern auch, weil Bibliotheken nachweislich eine soziale Funktion haben. Die Menschen kommen dorthin, um Bücher und Zeitschriften aus­zuleihen, aber auch, um zum Beispiel die Zeitung zu lesen, eine Tasse Kaffee zu trinken und sich zu treffen, nicht zuletzt bei den dort organisierten sozialen Programmen. In Spanien und in Deutschland planen wir Altenheime. In London gibt es ein Sanie­rungsprojekt, bei dem alte ungenutzte Gebäude in erschwingli­che Wohnungen mit einem Gemeinschaftszentrum umgewandelt werden. Und es gibt mehrere Stadterneuerungsprojekte in den Benelux-Ländern.

Ist ESG im beruflichen Alltag schon angekom­men?

Marleen:  ESG ist Bestandteil der PATRIZIA-DNA. Schon vor über 20 Jahren haben wir die PATRIZIA Foundation gegründet und spenden jedes Jahr ein Prozent unseres Betriebsgewinns dorthin. Wir geben dieses eine Prozent für Bildung aus, weil wir glauben, dass jeder Mensch ein Recht auf Bildung hat. Inzwischen haben wir auf diese Weise mehr als 280.000 Kindern geholfen. Darü­ber hinaus darf jeder PATRIZIA Mitarbeiter ein Prozent seiner Arbeitszeit für wohltätige Zwecke einsetzen. Übrigens versuchen wir auch, über Sponsoring-Programme Geld von anderen Spen­dern einzuwerben, und weitere zehn Prozent der Performance Fee, die wir aus unserem Impact-Immobilienfonds erzielen, wer­den an die PATRIZIA Foundation überwiesen.

Was unterscheidet PATRIZIA von anderen Impact-Investoren?

Marleen:  Wir sind ein globales Unternehmen mit lokaler Präsenz und konzentrieren uns seit unserer Gründung ausschließlich auf Investitionen in Sachwerte. Wir haben viel in Daten investiert, die wir jetzt in einer Data Intelligence Unit gebündelt haben, weil wir glauben, dass wir aus Daten viel Wertschöpfung gene­rieren können. Nicht nur alle Arten von Finanzkennzahlen, son­dern auch Daten, die für die Erreichung der von uns definierten Impact KPIs wichtig sind. Darüber hinaus ist ESG in alle unsere Anlagevorschläge eingebettet.

Ist Impact Investing ein Hype oder wird es sich durchsetzen?

Saskia:  Impact Investing im Immobilienbereich steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber bei institutionellen Anlegern setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir mit privaten Investitionen ei­nen Mehrwert schaffen und eine bessere Welt gestalten können. Es stimmt uns zuversichtlich, dass die Regulierungsbehörden auf eine Mindestquote für Impact Investing drängen, auch bei Pensionsfonds. In Dänemark kann man sich bereits für Impact Investing (Socially Responsible Investing, kurz: SRI) entscheiden. Zwei der größten dänischen Pensionsfonds sind unter anderem aus diesem Grund in unseren Fonds investiert.

 

 

 

Marleen Bikker-Bekkers war sechs Jahre lang Strategy, Research & Investor Relations Manager bei Corio und acht Jahre lang Real Estate Researcher und Investment Manager bei abrdn, bevor sie als Managing Partner zu AuxiSolid kam und institutionelle Anleger zu Portfoliostrategien und zur Strukturierung neuer Investments beriet. Im Jahr 2018 wechselte sie zu PATRIZIA Global Partners als Head of Investments Europe. Sie ist Fondsmanagerin von PATRIZIA Sustainable Communities.

 

 

Saskia van den Bronk begann ihre Karriere als Projektentwicklerin im Bereich Wohn- und Gewerbeimmobilien. Nach mehr als 15 Jahren wechselte sie zu Sweco Niederlande, wo sie zunächst als kaufmännische Leiterin und dann als Leiterin von Sweco Capital Consultants tätig war. Im Jahr 2021 wechselte sie zu PATRIZIA, als Director Capital Markets.