Werte von morgen schaffen


20 / 10 / 22 - 7 minute read

Die Redewendung "Mögest du in interessanten Zeiten leben" wird auch als "chinesischer Fluch" bezeichnet. Was auf den ersten Blick als freundlicher Abschiedsgruß erscheint, ist demnach in Wahrheit alles andere als wohlwollend gemeint. Nach Auffassung der meisten Sprachforscher steckt hinter dieser Redensart eher tiefschwarzer britischer Humor als konfuzianisches Gedankengut. Unabhängig davon, wo der wahre Ursprung dieses Satzes liegt - derzeit leben wir tatsächlich in außergewöhnlich herausfordernden Zeiten.

Anfang 2022 freuten sich die Menschen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung nach zwei harten Jahren der Abschottung während der COVID-19-Pandemie. Dann marschierte Russland am 24. Februar in die Ukraine ein, und die lange Liste der Schwarzer-Schwan-Krisen, die die Welt in den letzten Jahrzehnten erlebt hat, wurde um einen weiteren Eintrag ergänzt.

Autoren

Mahdi Mokrane

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In Sachen Politik steht ein heißer Winter bevor

Die meisten Investmentmanager hatten sich bereits im Vorfeld darauf eingestellt, dass die Zeiten unruhiger werden und vereinzelte regionale sowie globale Krisen wie ein Brandbeschleuniger wirken könnten. Die Realität des Jahres 2022 jedoch hat alle diese Befürchtungen übertroffen. Selbst klassische Anleihen- bzw. Aktienportfolios blieben dieses Mal nicht verschont. Die zumeist verlässliche negative Korrelation zwischen diesen beiden Anlageformen hat sich bislang in diesem Jahr nicht bestätigt. Die Renditen beider Klassen sind seit Jahresbeginn 2022 deutlich im Minus.


Die heutigen Störfeuer sind dramatisch, brandgefährlich und vielschichtig zugleich. Aktuelle Unternehmensbefragungen zeigen:
Wie mit gleichzeitig ökonomischen als auch geopolitischen, pandemie- und klimabedingten Risiken umgegangen werden sollte, ist längst ein Kernthema in den Chefetagen. Die Rekordinflation hat den gesamten Wirtschaftssektor im Griff. Die Folge sind höhere Kreditkosten und damit einhergehende rezessive Tendenzen.


Zudem sind die geopolitischen Spannungen so ausgeprägt wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Die Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Menschen reichen weit über Europa hinaus. Auch die COVID-19-Pandemie ist längst noch nicht überwunden. Im günstigsten Fall wurde aus der Pandemie zwischenzeitlich eine Endemie, bei der jedoch für bestimmte Risikogruppen trotzdem Vorsicht geboten ist. Hinzu kommt, dass China weiterhin eine NullCOVID-19-Strategie fährt, die weiterhin erhebliche Störungen der globalen Lieferketten und der weltweiten Produktion verursacht.


Doch damit ist die Liste der aktuellen Herausforderungen noch nicht zu Ende. Der Weltklimarat warnt zunehmend vor weiteren schwerwiegenden Auswirkungen durch den Klimawandel in den nächsten beiden Jahrzehnten. Insbesondere sei bei weiterem Wegschauen mit immer mehr extremen Naturkatastrophen zu rechnen. All dies verdeutlicht, dass der Übergang zu einer tatsächlich nachhaltigen globalen Wirtschaft mehr denn je erhebliche Maßnahmen erfordert – und zwar sowohl seitens des öffentlichen als auch des privaten Sektors
 

Als wir die vier Megatrends untersuchten, war klar, dass massive Infrastrukturinvestitionen von Regierungen und Unternehmen erforderlich sein würden, was Chancen für kluge Investoren bietet. Die weltweite Nachfrage nach Infrastruktur war noch nie so hoch wie heute, und die schuldengeplagten Regierungen allein können den Bedarf nicht decken. Globale Investoren springen zunehmend in die Lücke und erhöhen ihr Portfolioengagement in diesem Sektor, da sie dessen solides langfristiges Anlagepotenzial inmitten der Turbulenzen einer sich rasch verändernden Welt zu schätzen wissen.

Dritter Megatrend: Die Demografie ist die Lehre von der Zusammensetzung der menschlichen Gesellschaft. Trends wie sinkende Geburtenraten, alternde Gesellschaften und die Gesundheitsdividende bedeuten, dass die Demografie eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung von Gemeinschaften in der Zukunft spielen wird. Dies wirkt sich auch darauf aus, wie Menschen Immobilien "konsumieren".

Synergien zwischen Wohnen und Infrastruktur

PATRIZIA verfügt inzwischen über ein einzigartiges Angebot an Infrastruktur und Immobilien. Neben dem Zugang zu den neuesten Erkenntnissen und Forschungsergebnissen sowie einem umfangreichen Expertennetzwerk vor Ort profitiert PATRIZIA von einer jahrzehntelangen Erfahrung im Bereich Infrastruktur, die in das Angebot einfließt. Das Team PATRIZIA Infrastructure blickt auf 24 Jahre Erfahrung zurück. Rund sieben Milliarden Euro an Eigen- und Fremdkapital wurde bisher in über 110 Infrastrukturvorhaben weltweit investiert.

PATRIZIAs Investitionen verfolgen den Anspruch, wegweisende Verbesserungen zu bewirken. Entsprechend wird darauf geachtet, dass sämtliche Infrastrukturinvestitionen den zukünftigen Anforderungen entsprechen, die in den Bereichen Transport, Kommunikation, Energie- und Wasserversorgung gestellt werden. Gleichzeitig soll der Bedarf an sozialem und bezahlbarem Wohnraum, effizienter Logistik und attraktiven öffentlichen Räumen im Immobilienbereich gedeckt werden.

Die Infrastrukturinvestitionen sind durch zwei Faktoren gekennzeichnet: Zum einen handelt es sich um physische Vermögenswerte, die sich durch einen gesellschaftlichen Nutzen auszeichnen. Zum anderen wird bei allen Investitionen auf die Einhaltung der ESG-Kriterien geachtet, die Umwelt, Soziales und Governance vereinen.
 

Wertvoller Abfall

Ein aktuelles Beispiel dafür, wie wir die vier großen Themen über die Infrastruktur - in diesem Fall die Dekarbonisierung - angehen können, ist Biomet. Dieses italienische Unternehmen verwandelt kommunale und landwirtschaftliche Abfälle in Biomethan und anschließend in Bio-LNG (Flüssigerdgas) für den Einsatz in Lastwagen. PATRIZIA Infrastructure hat kürzlich im Auftrag von Kunden eine Mehrheitsbeteiligung von 80 % erworben.

Im Vergleich zu Diesel kann Bio-LNG die Kraftstoffkosten um bis zu 30 % und die CO2-Emissionen um mindestens 20 % senken und gleichzeitig eine 90-prozentige Reduzierung der NOx-Emissionen (Stickoxide, eine Familie giftiger Gase) und der Feinstaubemissionen bewirken. Bio-LNG stellt sicher, dass Lkw über einen sauberen, kohlenstoffarmen Ersatz für fossile Kraftstoffe verfügen.

Biomet ist nur eine der Energielösungen, die PATRIZIA anbietet. Wir sind auch in geothermische Fernwärme in Norwegen investiert, während unsere Energiespeicheranlage in Etzel in Deutschland aktiv die Umwandlung und langfristige Speicherung von Wasserstoff im kommerziellen Maßstab unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur testet.

Solche Sachwerte bieten den Anlegern auch einen attraktiven Inflationsschutz mit langfristigen inflationsgebundenen Einkommensströmen. Und wir gehen davon aus, dass einige Sektoren von Sachwerten, wie erneuerbare Energien, Datenzentren und Sozialfürsorge, mittelfristig ein Einkommenswachstum bieten werden, das die Inflation übertrifft. Unser Ansatz ermöglicht es den Anlegern, an der globalen Energiewende zu partizipieren und von ihr vor dem Hintergrund interessanter Zeiten zu profitieren.

 

Ein aktuelles Beispiel dafür, wie PATRIZIA einen der genannten vier großen Megatrends – hier Dekarbonisierung – durch Infrastrukturinvestments umsetzt, ist Biomet (siehe Seite 40 42). Das italienische Unternehmen wandelt städtische und landwirtschaftliche Abfälle in Biomethan und anschließend in Bio-LNG (verflüssigtes Bioerdgas) um. Danach wird das gewonnene Bio-LNG als Kraftstoff für den Schwertransportverkehr genutzt. PATRIZIA Infrastructure hat vor einiger Zeit im Kundenauftrag eine Mehrheitsbeteiligung von 80 % an diesem Unternehmen erworben. Im Vergleich zu Diesel kann Bio-LNG die Kraftstoffkosten um bis zu 30 % und den CO2-Ausstoß um mindestens 20 % senken. Zusätzlich wird eine bis zu 90 %igeReduzierung bei Stickstoffoxiden und Feinstaubemissionen erreicht.


Bio-LNG ist im Schwerlastverkehr die saubere, kohlenstoffarme Alternative zu herkömmlichen fossilen Kraftstoffen. Das Engagement von PATRIZIA im Bereich saubere Energie geht aber noch weiter. Investiert wird auch in geothermische Fernwärmeprojekte in Norwegen sowie in ein Energiespeicherprojekt im ostfriesischen Etzel. Bei letztgenanntem Vorhaben
werden derzeit die Umwandlung und Langzeitspeicherung von Wasserstoff im industriellen Maßstab getestet, indem die bereits vorhandene Infrastruktur genutzt wird.

Real-Asset-Investitionen wie diese bieten Investoren einen attraktiven Inflationsschutz mit langfristigen inflationsindexierten Einkommensströmen. Nach interner Einschätzung erzielen zahlreiche Sachwertsektoren wie etwa erneuerbare Energien, Rechenzentren und Sozialdienstleistungen mittelfristig ein Einkommenswachstum, das über der Inflationsrate liegt. Der strategische Ansatz ermöglicht es Anlegern zudem, aktiv Teil der globalen Energiewende zu sein und von dieser Transformation in turbulenten Zeiten entsprechend zu profitieren.
 

Der Berliner Büromarkt ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Trotz schwächelnder Konjunktur ist dieser Markt weiterhin dynamisch. Berlin ist der attraktivste Standort in Sachen Digitalisierung der deutschen Wirtschaft. Berlin ist bundesweit der einzige Ort, an dem Unternehmen in ausreichender Zahl und zu überschaubaren Personalkosten auf dringend benötigte Berufseinsteiger und Talente zurückgreifen können. Es überrascht deshalb nicht, dass sich immer häufiger ambitionierte deutsche mittelständische Unternehmen für den Standort Berlin entscheiden – unabhängig von der aktuellen konjunkturellen Lage.

Smart Cities entwickeln

PATRIZIA ist davon überzeugt, dass Smart-City-Konzepte die Zukunft sind. Schon allein deshalb, weil solche Konzepte die richtigen Antworten auf Fragen wie Ressourcenmanagement, Verkehrseffizienz, Gesundheitsversorgung und Umweltschutz haben. Analog dazu wird Zeit und Mühe investiert, weitere wegweisende Trends zu identifizieren und zu analysieren– die damit auch über Erfolg oder Misserfolg von Anlagestrategien entscheiden.

Das aktuelle Marktumfeld hat sich im Unterschied zu früheren Zeiten stark verändert. Die derzeitige Krise jedoch wird die bereits laufenden Transformationen beschleunigen – sei es die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien oder die weitere Digitalisierung, die smarte Städte und Immobilien ermöglicht, oder aber auch den gesamten Bereich des sozialen Komplexes, um den Anforderungen alternder Gesellschaften gerecht zu werden. Investoren brauchen mehr denn je einen kühlen Kopf, um diese Umbrüche richtig einzuordnen und Portfolios zu entwickeln, die von all diesen mittel- und langfristigen Entwicklungen am stärksten profitieren werden.

Immobilien empfehlen sich angesichts der kommenden Zeiten als eine kluge Beimischung, die ihren Beitrag zu einem zukunftssicheren Multi-Asset-Portfolio leisten können