So könnte es aussehen! Das Haus der Zukunft


29 / 10 / 21 - 11 minute read

Wie sieht das Haus der Zukunft aus? Obwohl sich die Entwürfe für das Haus der Zukunft optisch zum Teil erheblich unterscheiden, ist die Grundphilosophie bei allen dieselbe: Nachhaltigkeit, Anpassungsfähigkeit und Stärkung des Community-Gedankens. Und zwar bei Design und Konstruktion.

Natürlich ist Nachhaltigkeit das Thema Nummer eins. Allein die Gebäude in der Europäischen Union sind für 40 % des Energieverbrauchs und 36 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Eines der auch visuell interessantesten Konzepte stammt von dem in Tokio geborenen und in Sydney lebenden Stararchitekten Koichi Takada. Takada hat im vergangenen Jahr auf Einladung von Bloomberg Green das sogenannte Sunflower House entworfen. Takada sowie zwei ebenfalls ökologieorientierte Architektenkollegen wurden zunächst gebeten, einen adäquaten Standort in Europa auszuwählen. Die Herausforderung bestand in erster Linie darin, ein für das örtlich vorherrschende Klima geeignetes Einfamilienhaus zu entwerfen, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht.

„Wir lassen uns bei unseren Entwürfen von der Natur inspirieren“, erläutert Takada. Und entschied sich für den Bau des Sunflower House für einen Standort in der italienischen Region Umbrien. Die Gegend rund um die Provinzhauptstadt Perugia ist nicht nur für ihre beeindruckenden Sonnenblumenfelder bekannt, sondern auch für immer wiederkehrende sommerliche Hitzewellen mit Temperaturen von zeitweise bis zu 50 Grad Celsius.

„Die Sonnenblume faszinierte uns schon immer. Sie hat etwas Verführerisches“, schwärmt Takada. „Für mich ist sie eine Art Glückssymbol. Wann immer wir irgendwo Sonnenblumenfelder entdecken, wird unser Blick von ihnen magisch angezogen.“

Takadas Frau wuchs in Umbrien auf. Gemeinsam besuchen sie alljährlich diese malerische Region Italiens. Dabei fiel Takada schon früh auf, dass sich Sonnenblumen im Tagesverlauf mit der Sonne bewegen. „Diese Verhaltensweise hat uns auch beim Entwerfen unseres Sunflower House inspiriert. Ich fand es erstaunlich, wie sehr die Natur auf ihre Umwelt reagiert“, erzählt Takada begeistert und fährt fort: „Wenn wir Menschen auf traditionelle Weise Häuser bauen, ist alles statisch. Meist sind Fenster die einzig beweglichen Teile.“

Inspiriert von der Sonnenblume entwarf Takada eine runde Dachkonstruktion mit Sonnenkollektoren, die optisch an Blütenblätter erinnert. Das Ziel: die Schaffung eines dynamischeren Wohnraums. Die kreisförmige Struktur des Hauses dreht sich um einen zentralen „Stamm“. Dabei folgen bewegliche Solarpaneele stets der Sonne und erzeugen dabei bis zu 40 % mehr Energie als herkömmliche statische Module.

Ungenutzte Sonnenenergie wird ins Netz eingespeist oder in „Batteriesamen“ gespeichert, wie Takada seine integrierten Akkumulatoren nennt. Außerdem ist jedes Objekt so gestaltet, dass es in Schlechtwetterphasen statt Sonnenlicht Regenwasser sammelt – zum Beispiel zur Bewässerung umliegender Sonnenblumenfelder oder zur Versorgung von Toilettenanlagen.

Der „Stamm“ des Hauses verfügt über eine Wendeltreppe. Diese verbindet die verschiedenen Ebenen des Hauses. Bis zu drei Stockwerke sind beim Sunflower House vorgesehen. „Die Wendeltreppe ist zugleich ein Leerraum, der die heiße Luft nach oben und aus dem Haus leitet“, erklärt er. „Dieser Vorgang geschieht innerhalb einer natürlichen Druckdifferenz, sodass die heiße Luft auf natürliche Weise aus dem Haus abgeführt wird.“ Diese neue Art der Belüftung mit „Stapeleffekt“ führt zu geringeren Betriebs- und Wartungskosten sowie einem geringeren Energieverbrauch bei der Kühlung.

Zur natürlichen Belüftung trägt auch die Dachkonstruktion bei. Im Sommer fängt eine Umrandung durch ständige Luftbewegung Wind ein und kühlt dadurch das gesamte Haus. Zusätzlich ist die Drehbewegung der Sonnenkollektoren so konzipiert, dass gleichzeitig immer auch die darunter liegenden Fenster beschattet werden.

Laut Projektbeschreibung zeichnet sich das Sunflower House durch ein skalierbares Design aus, das „eine klimapositive Nachbarschaft, inspiriert von Sonnenblumenfeldern“, erschaffen soll. Und obwohl das Sunflower House explizit für die italienische Region Umbrien entworfen wurde, ­könnte das Konzept laut Takada jederzeit auch in anderen Teilen der Welt - wie zum Beispiel Australien oder Japan - umgesetzt werden. „Unser Konzept ist genauso dynamisch angelegt wie die Natur. Denn auch die Natur zeigt je nach Land oder Erdteil unterschiedliche Ausprägungen und Charakteristika“, betont Takada.

„Wenn wir auf traditionelle Weise Häuser bauen, ist alles statisch. Meist sind Fenster die einzig beweglichen Teile.”

Koichi Takada

„Es gibt großes Interesse an einer neuen Art des Bauens und Wohnens. Seitens der großen Wohnungsbaugesellschaften jedoch wird es kaum proaktive Impulse geben. Hier ist der Staat gefragt.“

Jennifer Beningfield

Verbindungen schaffen

Nachhaltigkeit, Anpassungsfähigkeit und Stärkung des Community-Gedankens stehen auch beim Connector Housing-Konzept im Vordergrund. Das Konzept gewann im letzten Jahr beim britischen Ökohaus-Wettbewerb „Home of 2030“. Eingereicht wurden die Entwürfe von dem in London ansässigen Büro Openstudio Architects gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Hoare Lea, dem Landschaftsarchitekturbüro LDA Design sowie dem Immobi­lien- und Bauberatungsunternehmen Gardiner & Theobald. Bei Connector Housing handelt es sich um ein flexibles und anpassungsfähiges System zum Bau von Mehrgenerationenhäusern oder ganzer Quartiere.

Laut Projektbeschreibung umfasst das System einzelne modulare Einheiten und sich wiederholende Elemente. Dadurch werden unterschiedliche Variationen möglich – etwa verschiedene Bebauungsdichten, Gebäudehöhen, Mischnutzungen, Baulandzuschnitte, Designs und Grundrisse. „Inzwischen haben alle verstanden, dass wir nachhaltiger bauen müssen“, sagt Jennifer Beningfield, die in Südafrika geborene und in London lebende Gründerin des Architekturbüros. „Ansatzpunkt aller unserer Überlegungen war ein durch und durch klimaneutrales Gebäude.“

Das vorgefertigte Element von Connector Housing – werksgefertigte Paneele und eine standardisierte Treppe sowie außen liegende Fenster und Türen – stärkt sowohl die Nachhaltigkeit und als auch Qualität von Gebäuden. „Man erreicht tatsächlich eine höhere Qualität, bessere Umweltverträglichkeit und -standards, indem man abseits des Standorts fertigt“, meint Beningfield.

Außerdem habe Fabrikfertigung den Vorteil, Abmessungen genauer kontrollieren zu können und engere Toleranzen zu erlauben als beim klassischen Hausbau. Sie fährt fort: „Um ein Gebäude nachhaltiger zu bauen, muss es vor allem dicht sein. Die herkömmliche Bauweise hingegen bringt in der Regel sehr undichte, also luftdurchlässige Baukörper hervor. Durch Fabrikfertigung entstehen hingegen extrem luftdichte und gut isolierte Hüllen. Das bringt enorme Pluspunkte bei Akustik und thermischer Leistung.“

Beningfields Connector Housing-Entwurf jedenfalls erfüllt die Klimaanforderungen 2030 des Royal Institute of British Architects. In konkreten Zahlen: Das Gebäude kommt auf lediglich 300 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter und verbraucht 55 % weniger Energie als ein durchschnittliches Neubauhaus.

„Inzwischen haben alle verstanden, dass wir nachhaltiger bauen müssen.“

Jennifer Beningfield

Zurück in die Vergangenheit

Connector Housing steht für das, was Sonia Solicari, Direktorin des Londoner Museum of the Home, als entscheidende Komponenten beim Haus der Zukunft erachtet: ökologische Nachhaltigkeit, generationenübergreifendes Wohnen, mehr Gemeinschaftsleben und direkter Zugang zu großzügigen Grünflächen.

Das Konzept ist zum Teil Londons historischen privaten Gartenanlagen entlehnt. Es existieren zum Beispiel für jede Wohneinheit eine ganze Reihe gemeinschaftlicher Grünflächen sowie privater Vorgärten. Zur Grundidee des Connector Housing gehört, „Gemeinschaftserlebnisse rund um zahlreiche Grünflächen zu ermöglichen“, erklärt Beningfield. „Die umliegende Landschaft soll quasi in die eigene Wohnwelt integriert werden. Bei vielen herkömmlichen großen Wohnungsbauten sehen wir genau das Gegenteil: keine Verbindung zwischen Wohnraum und Umgebung. Besonders bei uns in Großbritannien ist dies leider häufig der Fall.“

Solicari ist davon überzeugt, dass man zukünftiges Wohnen nicht ohne einen Blick in die Vergangenheit denken kann: „Der Flurbereich in einem klassischen Bürgerhaus des 17. Jahrhunderts war ausgesprochen flexibel gestaltet. In den letzten Jahrzehnten wurden Küchen- und Essbereiche gerne auch für ­andere Aktivitäten genutzt – zuletzt insbesondere während des Lockdowns. Wir meinen, diese Räume könnten vom Design her noch flexibler gestaltet werden.“ Die Direktorin ist fasziniert von der Idee traditioneller Gemeinschaftsbackstuben, als die Menschen Öfen noch gemeinsam nutzten. „Wir könnten durchaus wieder mehr Aktivitäten unseres Daseins in Räume außerhalb des eigenen Hauses verlagern. Unsere Kommunen und Städte könnten durch entsprechende Umgestaltungen ihren Teil dazu beitragen“, gibt Solicari zu bedenken. „Kleinere Häuser, größere Gemeinschaftsräume?“

Sowohl das Sunflower House als auch Connector Housing könnten mit den heute vorhandenen Technologien sofort verwirklicht werden. Derzeit sind es allerdings noch Konzepte. Beningfield sieht realistische Umsetzungschancen für ein Siedlungskonzept wie Connector Housing aber erst dann, wenn die Idee staatlich gefördert wird.

„Es gibt großes Interesse an einer neuen Art des Bauens und Wohnens. Seitens der großen Wohnungsbaugesellschaften jedoch wird es kaum proaktive Impulse geben. Hier ist der Staat gefragt, indem vor allem höhere Standards gesetzlich vorgeschrieben werden“, glaubt die Architektin. „Darauf versuchen wir hinzuwirken. Damit unsere Konzepte nicht nur für die Schublade sind.“

„Wir könnten durchaus wieder mehr Aktivitäten unseres Daseins in Räume außerhalb des eigenen Hauses verlagern. Unsere Kommunen und Städte könnten durch entsprechende Umgestaltungen ihren Teil dazu beitragen.“

Sonia Solicari

Evelyn Lee

Evelyn Lee lebt in einem alten viktorianischen Reihenhaus mitten in London und kann deshalb wie nur wenige Parallelen zwischen dem Wohnen von gestern, heute und morgen ziehen. Lee ist Redakteurin bei PERE, einem weltweit angesehenen Fachmagazin für die Private Equity Immobilienbranche.

 

Ungenutzte Sonnenenergie wird ins Netz eingespeist oder in „Batteriesamen“ gespeichert, wie Takada seine integrierten Akkumulatoren nennt. Außerdem ist jedes Objekt so gestaltet, dass es in Schlechtwetterphasen statt Sonnenlicht Regenwasser sammelt – zum Beispiel zur Bewässerung umliegender Sonnenblumenfelder oder zur Versorgung von Toilettenanlagen.

Der „Stamm“ des Hauses verfügt über eine Wendeltreppe. Diese verbindet die verschiedenen Ebenen des Hauses. Bis zu drei Stockwerke sind beim Sunflower House vorgesehen. „Die Wendeltreppe ist zugleich ein Leerraum, der die heiße Luft nach oben und aus dem Haus leitet“, erklärt er. „Dieser Vorgang geschieht innerhalb einer natürlichen Druckdifferenz, sodass die heiße Luft auf natürliche Weise aus dem Haus abgeführt wird.“ Diese neue Art der Belüftung mit „Stapeleffekt“ führt zu geringeren Betriebs- und Wartungskosten sowie einem geringeren Energieverbrauch bei der Kühlung.

Zur natürlichen Belüftung trägt auch die Dachkonstruktion bei. Im Sommer fängt eine Umrandung durch ständige Luftbewegung Wind ein und kühlt dadurch das gesamte Haus. Zusätzlich ist die Drehbewegung der Sonnenkollektoren so konzipiert, dass gleichzeitig immer auch die darunter liegenden Fenster beschattet werden.

Laut Projektbeschreibung zeichnet sich das Sunflower House durch ein skalierbares Design aus, das „eine klimapositive Nachbarschaft, inspiriert von Sonnenblumenfeldern“, erschaffen soll. Und obwohl das Sunflower House explizit für die italienische Region Umbrien entworfen wurde, ­könnte das Konzept laut Takada jederzeit auch in anderen Teilen der Welt - wie zum Beispiel Australien oder Japan - umgesetzt werden. „Unser Konzept ist genauso dynamisch angelegt wie die Natur. Denn auch die Natur zeigt je nach Land oder Erdteil unterschiedliche Ausprägungen und Charakteristika“, betont Takada.

„Wenn wir auf traditionelle Weise Häuser bauen, ist alles statisch. Meist sind Fenster die einzig beweglichen Teile.”

Koichi Takada

„Es gibt großes Interesse an einer neuen Art des Bauens und Wohnens. Seitens der großen Wohnungsbaugesellschaften jedoch wird es kaum proaktive Impulse geben. Hier ist der Staat gefragt.“

Jennifer Beningfield

Verbindungen schaffen

Nachhaltigkeit, Anpassungsfähigkeit und Stärkung des Community-Gedankens stehen auch beim Connector Housing-Konzept im Vordergrund. Das Konzept gewann im letzten Jahr beim britischen Ökohaus-Wettbewerb „Home of 2030“. Eingereicht wurden die Entwürfe von dem in London ansässigen Büro Openstudio Architects gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Hoare Lea, dem Landschaftsarchitekturbüro LDA Design sowie dem Immobi­lien- und Bauberatungsunternehmen Gardiner & Theobald. Bei Connector Housing handelt es sich um ein flexibles und anpassungsfähiges System zum Bau von Mehrgenerationenhäusern oder ganzer Quartiere.

Laut Projektbeschreibung umfasst das System einzelne modulare Einheiten und sich wiederholende Elemente. Dadurch werden unterschiedliche Variationen möglich – etwa verschiedene Bebauungsdichten, Gebäudehöhen, Mischnutzungen, Baulandzuschnitte, Designs und Grundrisse. „Inzwischen haben alle verstanden, dass wir nachhaltiger bauen müssen“, sagt Jennifer Beningfield, die in Südafrika geborene und in London lebende Gründerin des Architekturbüros. „Ansatzpunkt aller unserer Überlegungen war ein durch und durch klimaneutrales Gebäude.“

Das vorgefertigte Element von Connector Housing – werksgefertigte Paneele und eine standardisierte Treppe sowie außen liegende Fenster und Türen – stärkt sowohl die Nachhaltigkeit und als auch Qualität von Gebäuden. „Man erreicht tatsächlich eine höhere Qualität, bessere Umweltverträglichkeit und -standards, indem man abseits des Standorts fertigt“, meint Beningfield.

Außerdem habe Fabrikfertigung den Vorteil, Abmessungen genauer kontrollieren zu können und engere Toleranzen zu erlauben als beim klassischen Hausbau. Sie fährt fort: „Um ein Gebäude nachhaltiger zu bauen, muss es vor allem dicht sein. Die herkömmliche Bauweise hingegen bringt in der Regel sehr undichte, also luftdurchlässige Baukörper hervor. Durch Fabrikfertigung entstehen hingegen extrem luftdichte und gut isolierte Hüllen. Das bringt enorme Pluspunkte bei Akustik und thermischer Leistung.“

Beningfields Connector Housing-Entwurf jedenfalls erfüllt die Klimaanforderungen 2030 des Royal Institute of British Architects. In konkreten Zahlen: Das Gebäude kommt auf lediglich 300 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter und verbraucht 55 % weniger Energie als ein durchschnittliches Neubauhaus.

„Inzwischen haben alle verstanden, dass wir nachhaltiger bauen müssen.“

Jennifer Beningfield

Zurück in die Vergangenheit

Connector Housing steht für das, was Sonia Solicari, Direktorin des Londoner Museum of the Home, als entscheidende Komponenten beim Haus der Zukunft erachtet: ökologische Nachhaltigkeit, generationenübergreifendes Wohnen, mehr Gemeinschaftsleben und direkter Zugang zu großzügigen Grünflächen.

Das Konzept ist zum Teil Londons historischen privaten Gartenanlagen entlehnt. Es existieren zum Beispiel für jede Wohneinheit eine ganze Reihe gemeinschaftlicher Grünflächen sowie privater Vorgärten. Zur Grundidee des Connector Housing gehört, „Gemeinschaftserlebnisse rund um zahlreiche Grünflächen zu ermöglichen“, erklärt Beningfield. „Die umliegende Landschaft soll quasi in die eigene Wohnwelt integriert werden. Bei vielen herkömmlichen großen Wohnungsbauten sehen wir genau das Gegenteil: keine Verbindung zwischen Wohnraum und Umgebung. Besonders bei uns in Großbritannien ist dies leider häufig der Fall.“

Solicari ist davon überzeugt, dass man zukünftiges Wohnen nicht ohne einen Blick in die Vergangenheit denken kann: „Der Flurbereich in einem klassischen Bürgerhaus des 17. Jahrhunderts war ausgesprochen flexibel gestaltet. In den letzten Jahrzehnten wurden Küchen- und Essbereiche gerne auch für ­andere Aktivitäten genutzt – zuletzt insbesondere während des Lockdowns. Wir meinen, diese Räume könnten vom Design her noch flexibler gestaltet werden.“ Die Direktorin ist fasziniert von der Idee traditioneller Gemeinschaftsbackstuben, als die Menschen Öfen noch gemeinsam nutzten. „Wir könnten durchaus wieder mehr Aktivitäten unseres Daseins in Räume außerhalb des eigenen Hauses verlagern. Unsere Kommunen und Städte könnten durch entsprechende Umgestaltungen ihren Teil dazu beitragen“, gibt Solicari zu bedenken. „Kleinere Häuser, größere Gemeinschaftsräume?“

Sowohl das Sunflower House als auch Connector Housing könnten mit den heute vorhandenen Technologien sofort verwirklicht werden. Derzeit sind es allerdings noch Konzepte. Beningfield sieht realistische Umsetzungschancen für ein Siedlungskonzept wie Connector Housing aber erst dann, wenn die Idee staatlich gefördert wird.

„Es gibt großes Interesse an einer neuen Art des Bauens und Wohnens. Seitens der großen Wohnungsbaugesellschaften jedoch wird es kaum proaktive Impulse geben. Hier ist der Staat gefragt, indem vor allem höhere Standards gesetzlich vorgeschrieben werden“, glaubt die Architektin. „Darauf versuchen wir hinzuwirken. Damit unsere Konzepte nicht nur für die Schublade sind.“

„Wir könnten durchaus wieder mehr Aktivitäten unseres Daseins in Räume außerhalb des eigenen Hauses verlagern. Unsere Kommunen und Städte könnten durch entsprechende Umgestaltungen ihren Teil dazu beitragen.“

Sonia Solicari

Evelyn Lee

Evelyn Lee lebt in einem alten viktorianischen Reihenhaus mitten in London und kann deshalb wie nur wenige Parallelen zwischen dem Wohnen von gestern, heute und morgen ziehen. Lee ist Redakteurin bei PERE, einem weltweit angesehenen Fachmagazin für die Private Equity Immobilienbranche.