Logistikimmobilien sichern weiterhin Warenauslieferungen trotz Corona-bedingter Herausforderungen

Der Logistik-Boom hält trotz – oder gerade wegen – der Corona-Pandemie an. Ein neuer Report der PATRIZIA identifiziert sieben neue Trends, die es in diesem Bereich zu beachten gilt.

Im April 2021 beschließt das dänische Unternehmen DSV Panalpina den Kauf des Geschäftsbereichs Global Integrated Logistics des in Kuwait gegründeten Agility-Konzerns für 4,1 Milliarden Dollar. Damit wird DSV Panalpina gemessen am Umsatz zum drittgrößten Logistik- und Frachtkonzern der Welt. Es war eine weitere spektakuläre Übernahme in einem Sektor, der aufgrund des Booms im E-Commerce und verstärkt durch die Corona-Pandemie starken Zuwachs verzeichnet.

Der sogenannte „Corona-Effekt“ hat vielen Wirtschaftszweigen zugesetzt. Im Bereich Logistik hat er jedoch die Nachfrage verstärkt – sowohl nach mehr Immobilien als auch nach mehr Investitionen.

Das Wirtschaftswachstum verlangt heute heute nach mehr Logistikimmobilien als in der Vergangenheit. „In den letzten Jahren ist die Assetklasse Logistik schneller gewachsen und hat mehr Investitionen angezogen als andere Immobilien-Sektoren in der Eurozone“, sagt Rob Brook, Managing Director und Head of Logistics bei PATRIZIA.

Schon jetzt hat sich der Anteil von Logistik an den europäischen Gesamtinvestitionen in Gewerbeimmobilien von 8 % im Jahr 2010 auf 17 % (38 Mrd. EUR) im Jahr 2020 mehr als verdoppelt. Dieser Trend wird noch verstärkt, da Investoren während der Corona-Pandemie die Stabilität und Robustheit des Sektors erkannt haben.

„Die Kombination aus stabilen, langfristigen Mieteinnahmen und einem soliden Marktumfeld macht Logistik zu einer sicheren Anlageklasse, die während der globalen Finanzkrise stabil war und es auch während der Corona-Pandemie bleibt“, sagt Brooks.

PATRIZIA verfügt im Bereich Logistik über Assets under Management von mehr als 5 Mrd. Euro und weist in diesem Sektor eine starke Erfolgsbilanz auf. Das Unternehmen hat sein Logistikportfolio von 340 Mio. Euro im Jahr 2014 auf heute mehr als 5 Mrd. Euro ausgebaut und will seinen Bestand mit jährlichen Investments von bis zu 1 Mrd. Euro weiter vergrößern.

E-Commerce ist Treiber im Logistiksektor

Der Hauptgrund für die steigende Nachfrage liegt in der Zunahme des Online-Shoppings, das durch die Corona-Pandemie noch beflügelt wurde, sagt Nicolai Soltau, Fund Manager Logistics, Europe bei PATRIZIA. Selbst ältere Menschen und Internet-Nachzügler sind während der jüngsten Lockdowns aus der Not heraus zum Online-Shopping übergegangen. Infolgedessen machte der E-Commerce-Umsatz im Jahr 2020 weltweit 18 % aller Einzelhandelsumsätze aus. In einigen Ländern waren die Zahlen sogar noch höher – in Großbritannien zum Beispiel erreichte die Quote 25%.

Der Trend zum Online-Shopping wird sich weiter fortsetzen. Prognosen zufolge wird der Online-Umsatz bis 2024 21,8 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes ausmachen. Grund ist die die Corona-Pandemie, die die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und einkaufen, grundlegend verändert.

Die Verbraucher von heute kaufen nicht nur mehr online ein, sie wollen die Ware auch schneller geliefert bekommen – oft wird die Lieferung am nächsten Tag gewünscht. Und sie sind kritischer bei ihren Einkäufen: Online-Käufer geben online gekaufte Waren dreimal häufiger zurück als solche, die sie in einem Ladengeschäft erworben haben.

 Die moderne Logistik ist weitaus stärker mit dem Einzelhandel verwoben als mit den bisherigen Branchentreibern, wie Produktion und Handel. Das bedeutet, dass permanente Verschiebungen im Verbraucherverhalten weitreichende Veränderungen für die Logistik mit sich bringen. Ein Beispiel sind die angesprochenen Online-Bestellungen, die bis zu dreimal mehr Platz benötigen als der traditionelle Einzelhandel, so das Weltwirtschaftsforum (WEF) in einem Bericht über die Zukunft der Immobilienwirtschaft.

Zunächst einmal wird der gesamte Bestand in einer Lagerhalle gelagert. Außerdem erfordert der Paketversand mehr Platz als der Versand von Paletten. Und schließlich bedeuten volatilere Verkäufe, dass mehr Warenbestand benötigt wird. Darüber hinaus erfordert die Rückwärtslogistik, d.h.die „Rückwärtsbewegung“ von Waren vom Verbraucher zum Hersteller zur Wiederverwertung, im Vergleich zur Vorwärtslogistik bis zu 20 % mehr Platz und Arbeitskapazität.

Auch die traditionellen Geschäfte versuchen, die gleichen Anforderungen an Kundenkomfort, Zuverlässigkeit und Produktvielfalt zu erfüllen, die ihre Online-Rivalen bieten. Die Möglichkeit, Artikel online zu kaufen und in der Filiale abzuholen, wird die Lagerbestände in den Geschäften unter Druck bringen und einen schnellen Warennachschub aus der nahen Umgebung erforderlich machen, damit die Regale gefüllt bleiben.

Der Hauptgrund für die steigende Nachfrage liegt in der Zunahme des Online-Shoppings, das durch die Corona-Pandemie noch beflügelt wurde

Einige innovative Immobilienentwickler und Investoren entwickeln bereits neue, kreative Konzepte. Ein Trend sei, dass Einzelhändler Logistik mit dem stationären Handel kombinieren, sagt Soltau. So hat Bonprix, eine Tochter des Otto-Konzerns, in Hamburg einen kleinen Laden eröffnet, in dem von jedem Katalogartikel nur ein Muster ausgestellt ist. Der Kunde wählt den Artikel aus, den er anprobieren möchte, und dieser wartet in der Umkleidekabine auf ihn. Oder der Kunde bestellt die Ware online und holt sie dann einfach im Laden ab.

Wenn Sie mehr über den Markt erfahren wollen, laden Sie den PATRIZIA-Report The future of logistics: 7 distinct trends to watch [Die Zukunft der Logistik: 7 klare Trends, die es zu beachten gilt] herunter.