Glänzende Lösungen für smarte Städte


07 / 08 / 23 - 11 minute read

Fledermäuse, Motten, Füchse, Schildkröten, Frösche und Pflanzen haben‘s nicht leicht. Denn weil sich der Mensch im Dunkeln fürchtet, hat er den Planeten bis in den kleinsten Winkel ausgeleuchtet. Laut dem neuen Weltatlas der Lichtverschmutzung ist der Nachthimmel über 80 % der Welt und mehr als 99 % der europäischen und US-amerikanischen Städte mit künstlichem Licht erhellt. 

Übermäßige Beleuchtung kann der Biodiversität jedoch enorm schaden. Künstliches Licht stört fliegende nachtaktive Tiere bei der Orientierung und beeinflusst die Flugrouten von Zugvögeln. Es bringt Brutzyklen von Tieren durcheinander, blendet sie beim Jagen und sorgt dafür, dass immer mehr Tiere auf der Straße den Tod finden.

Pflanzen leiden sogar noch mehr darunter, denn künstliches Licht beschleunigt die Knospung von Blumen, die Fotosynthese zum Wachstum brauchen. Wie aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, bleibt auch der Mensch nicht verschont. Denn übermäßige Beleuchtung stört den Tag-Nacht-Rhythmus, verursacht Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen und bringt den Hormonhaushalt durcheinander.

Smarte Straßenlampen können hier Abhilfe schaffen.

„Es gibt für Städte viele gute Gründe, auf intelligente Straßenbeleuchtung umzusteigen“, sagt Jose Artiles, Director of Private Equity bei PATRIZIA. „Trotzdem werden immer wieder die Kosten als Gegenargument angeführt. Dabei sind lichtemittierende Dioden, also LEDs, 40 bis 60 % energieeffizienter als herkömmliche Glühbirnen und haben eine bis zu sechsmal längere Lebensdauer.“

Autor

Greg Langley


Inhaltsverzeichnis

Smarte Straßenlampen können hier Abhilfe schaffen.

„Es gibt für Städte viele gute Gründe, auf intelligente Straßenbeleuchtung umzusteigen“, sagt Jose Artiles, Director of Private Equity bei PATRIZIA. „Trotzdem werden immer wieder die Kosten als Gegenargument angeführt. Dabei sind lichtemittierende Dioden, also LEDs, 40 bis 60 Prozent energieeffizienter als herkömmliche Glühbirnen und haben eine bis zu sechsmal längere Lebensdauer.“

Mit bis zu 40 % der Gesamtkosten ist der Stromverbrauch meist einer der größten Ausgabeposten von Städten, der sich jedoch laut Artiles durch eine smarte Straßenbeleuchtung um 55 bis 80 % verringern ließe. Der Umstieg auf LEDs kann auch die CO2-Emissionen erheblich senken. „Bei alten und ineffizienten städtischen Netzen lassen sich diese Einsparungen sogar nochmals steigern“, erklärt Artiles. „Doch die durchschnittlichen Kostenreduzierungen allein sind schon beachtlich.“

Die Stadt bei Nacht

In der Zeit vor der Industrialisierung waren Nächte finster und gefährlich, denn hier trieben Diebe und Mörder ihr Unwesen. Zumindest bis die Straßenlampe ins Spiel kam, die jedoch erst von mindestens 22 Tüftlern „erfunden“ werden musste, bis Thomas Edison 1879 eine praxistaugliche Version auf den Markt brachte.

Endlich konnte der Mensch Licht ins Dunkel der Nacht bringen – und das Zeitalter der Lichtverschmutzung begann. Weltweit sorgt die städtische Beleuchtung für Probleme: Sie blendet, erhellt oft auch an unerwünschte Stellen, vernebelt den Himmel und verwehrt uns den ungetrübten Blick auf die Milchstraße in einer mondlosen Nacht. Auch die morgendliche Luftqualität leidet darunter, wie die American National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) herausfand.

Kein Wunder also, dass immer mehr Städte auf intelligente Straßenbeleuchtungen setzen, die mit LEDs einen energieeffizienten Ersatz schaffen.

„Ja, LEDs sind teurer als herkömmliche Natriumdampflampen und Glühlampen“, bestätigt Artiles. „Aber sie haben viele Vorteile: Sie verbrauchen weniger Strom, haben eine längere Lebensdauer, verbessern die Sicht, sind kleiner und zudem auch weniger schädlich für Mensch und Natur.“

Mit smarten Straßenlampen können Städte die Helligkeit einfach regeln und intelligente vernetzte Straßenbeleuchtung bedarfsorientiert, zentral und ferngesteuert programmieren.

Im Zusammenspiel mit Bewegungssensoren und Software werden LEDs nur heller, wenn sich ein Fahrzeug oder eine Person nähert, und bleiben sonst gedimmt. Wird das Licht in den ruhigeren Nachtstunden heruntergeregelt, nimmt die Lichtverschmutzung ab. Davon profitieren die städtischen Kassen, aber auch die Natur. Und anders als Neonbeleuchtung enthalten LEDs auch kein Quecksilber.

Jose Artiles, Director of Private Equity bei PATRIZIA

Leuchtende Zukunft für Italien

Mit dem Ziel vor Augen, weltweit intelligentere und besser vernetzte Städte zu schaffen, befasst sich PATRIZIA bereits seit mehreren Jahren intensiv auch mit den Vorteilen smarter Straßenbeleuchtung. 2022 übernahm PATRIZIA für 180 Millionen € zwei italienische Straßenbeleuchtungshersteller: Selettra Illuminazione Pubblica und Ottima S.r.l.

Ottima wurde 2013 gegründet und gehört – gemessen an der Zahl der verwalteten Beleuchtungsanlagen – zu Italiens zehn führenden Anbietern für intelligente Straßenbeleuchtungen. Als Partner kleiner und mittelgroßer Städte will das Unternehmen die bestehende Infrastruktur mit LED-Leuchttechnologie modernisieren.

Selettra ist heute Italiens zweitgrößtes unabhängiges Unternehmen für intelligente Straßenbeleuchtung und wurde 1990 zur Planung, Sanierung, Installation, Finanzierung und Verwaltung von Beleuchtungsanlagen gegründet. Bislang war das Unternehmen vorranging im südlichen Teil Italiens aktiv, expandierte aber jüngst in den Norden des Landes. Für nachhaltige Gemeinden mit erneuerbaren Energielösungen und die Einführung von 5G-Small-Cells baut das Unternehmen derzeit zwei weitere Smart-City-Geschäftsbereiche auf.

Im Zuge der beiden Übernahmen schafft PATRIZIA ein Portfolio für smarte Straßenbeleuchtung im Gesamtwert von 180 Millionen €, mit aktuell 170.000 Beleuchtungsanlagen in Italien und Verträgen mit 112 Gemeinden.

Laut Artiles stand bei PATRIZIAs Marktanalysen zu intelligenten Straßenbeleuchtungen Italien immer besonders im Fokus. „Das hat viele Gründe. Zum einen sind LEDs in Italien nicht sehr verbreitet und kommen in gerade einmal 30 % der Gemeinden zum Einsatz. Das heißt, dass in 70 % der über 8.000 Gemeinden die Beleuchtung noch modernisiert werden muss.“

Ein weiterer Pluspunkt sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Italien ist eines der wenigen Länder, in denen Unternehmen Gemeinden ein Projekt oder eine Initiative vorschlagen und schon vor der Ausschreibung einen Vorvertrag erhalten können. Das Unternehmen, das den Vorschlag unterbreitet hat, gilt dann als „soggetto promotore“ und darf im Rahmen der Ausschreibung bei besseren Konkurrenzangeboten ein Gegenangebot unterbreiten oder erhält einen bestimmten Prozentsatz der Projektkosten zurück.

„Dieses Verfahren macht das gesamte Projekt effizienter und rechtfertigt aus Entwicklersicht die Markteinführung“, sagt Artiles.„Stellen Sie sich vor, Sie schicken ein Team in eine kleine Gemeinde, die wenig Ahnung von Straßenbeleuchtung hat, und lassen vor Ort ein Konzept und seine Vorteile vorstellen – das ist natürlich nicht billig. Wenn der Gemeinde Ihr Vorschlag gefällt, tragen Sie zudem auch erst einmal die Kosten für die technische Entwicklung. Aber mit dem Status als ‚soggetto promotore‘ lohnt es sich unterm Strich dennoch.“

Langzeitkooperationen für die Entwicklung intelligenter Straßenlampen

Selettra und Ottima setzen traditionell auf langfristige Partnerschaften mit den Stadträten und folgen dabei einem einzigartigen Ansatz, damit Gemeinden finanzielle Hürden beseitigen können.

Die beiden Unternehmen haben eine inflationsgeschützte Konzessionsabgabe für 20 Jahre im Visier. Sie modernisieren das bestehende Beleuchtungssystem mit intelligenten LED-Anlagen und springen über einen vertrauenswürdigen und staatlich unterstützten Partner als Investoren ein, da den Gemeinden das nötige Geld fehlt. Durch die Langzeitkooperationen können Ottima und Selettra eine gestaffelte Einführung zusätzlicher Smart-City-Lösungen und -Verbesserungen anbieten.

So können an Straßenlampen beispielsweise E-Ladestationen, Solarkollektoren zur Stromerzeugung oder Kameras angebracht werden, die eine intelligente Verkehrssteuerung oder smartes Parken unterstützen.

„Das ist alles Teil unserer Investitionsstrategie“, erklärt Artiles. „Straßenbeleuchtung ist eine wichtige Infrastruktur für Gemeinden, aber unser Interesse reicht noch weiter. Wir wollen weitere Smart-City-Lösungen einführen, die Städte effizienter und nachhaltiger machen.“

So bietet Ottima bereits Add-on-Services für intelligente und effiziente Gebäude wie den Austausch der Beleuchtung an Regierungsgebäuden und die Umrüstung von Boilern. Selettra hingegen entwickelt Solarenergieprojekte, bei denen das Unternehmen mithilfe kleiner Solarkollektoren Strom an Gemeinden verkauft.

„Ja, LEDs sind teurer als herkömmliche Natriumdampflampen und Glühlampen. Aber sie haben viele Vorteile: Sie verbrauchen weniger Strom, haben eine längere Lebensdauer, verbessern die Sicht, sind kleiner und zudem auch weniger schädlich für Mensch und Natur.“

Jose Artiles, Director of Private Equity at PATRIZIA