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Zerfallene spanische Bauernhäuser sagen mehr über den europäischen Immobilienmarkt aus als man denkt

Bei einer Reise durch Spanien fährt man durch atemberaubend schöne Landschaften. Allerdings trüben immer häufiger bislang unbekannte Eindrücke das schöne Bild: zum Beispiel zerfallende Mauern verlassener Bauernhäuser zwischen Mandelhainen und Pinienplantagen. Oder menschenleere Dorfstraßen. Sie sind die Anzeichen einer demographischen Entwicklung, die immer markanter wird.

Bei einer Reise durch Spanien fährt man durch atemberaubend schöne Landschaften. Allerdings trüben immer häufiger bislang unbekannte Eindrücke das schöne Bild: zum Beispiel zerfallende Mauern verlassener Bauernhäuser zwischen Mandelhainen und Pinienplantagen. Oder menschenleere Dorfstraßen. Sie sind die Anzeichen einer demographischen Entwicklung, die immer markanter wird.

Inzwischen sind etwa die Hälfte aller spanischen Dörfer und Städte von Landflucht betroffen. Regionen wie Aragón, Galizien und das iberische Hochland verlieren pro Stunde fünf Einwohner. Weil die Jungen wegziehen und ihr Glück woanders suchen, steht den Dörfern eine ungewisse Zukunft bevor.

In Spanien sind Regionen entstanden, die zum Teil dünner besiedelt sind als arktische Provinzen in Lappland. Auf einem Quadratkilometer leben mittlerweile weniger als acht Personen und diese werden immer älter. In 22 spanischen Provinzen ist bereits ein Drittel der Einwohner 65 Jahre oder älter – der nationale Durchschnitt liegt bei 16,7 Prozent. 

Spanien mag ein extremes Beispiel sein, aber grundsätzlich ist diese Entwicklung in ganz Europa zu beobachten. The Economist bezeichnete Bulgarien kürzlich als das am schnellsten schrumpfende Land der Welt, auf den Plätzen zwei bis neun folgen weitere Länder aus Osteuropa.

Helle Lichter, große Städte

Auf der anderen Seite erleben Städte seit Jahren einen sprunghaften Anstieg der Bevölkerung. Selbst in Ländern, in denen das Bevölkerungswachstum überschaubar ist, werden die Städte größer und größer. In Spanien ist diese Entwicklung besonders ausgeprägt.

Alasdair Rae, Professor für Urbanistik und Stadtplanung an der Universität in Sheffield, erläuterte neulich in der Zeitschrift The Conversation, dass Spanien zwar nur 93 Einwohner pro Quadratkilometer aufweise, aber nicht wirklich ein dünn besiedeltes Land sei. Sein Hauptargument: Obwohl nur 13 Prozent der 505 000 Quadratkilometer Spaniens bevölkert seien, besitzen diese Regionen immerhin eine „Wohndichte“ von 737 Einwohnern.

Für Investoren, die nach Investitionschancen im Immobiliensektor suchen, ist dieses Bevölkerungswachstum der Städte eine überaus spannende Entwicklung. Aber es ist Vorsicht geboten.

Rae schrieb: „Obwohl das Siedlungsmuster dünn erscheint, leben die Menschen durchaus dicht beieinander. So gesehen könnte man Spanien als das am dichtesten besiedelte Land in Europa bezeichnen – auch wenn es auf der Landkarte anders aussieht.“

Laut seiner Untersuchung ist der am dichtesten besiedelte Quadratkilometer Europas ein Stadtteil von Barcelona. Über 53 000 Einwohnern leben hier. Insgesamt gibt es in ganz Europa 33 Gebiete mit 40 000 oder mehr Einwohnern: 23 davon befinden sich in Spanien und zehn in Frankreich.

Landflucht ist kein neues Phänomen. Diese Entwicklung ist bereits seit den 1850er Jahren bekannt, hat jedoch in den letzten Jahrzehnten deutlich an Fahrt aufgenommen. Auch zukünftig wird Landflucht die Bevölkerungsentwicklung in europäischen Metropolen prägen.

Für Investoren, die nach Investitionschancen im Immobiliensektor suchen, ist dieses Bevölkerungswachstum der Städte eine überaus spannende Entwicklung. Man muss allerdings auch hier differenzieren, denn dieser Trend ist nicht überall gleich stark ausgeprägt. Laut einer Studie von PATRIZIA wird zwischen 2017 und 2025 nur etwa ein Drittel aller europäischen Regionen ein entsprechendes Bevölkerungswachstum von Menschen im erwerbsfähigen Alter verzeichnen können.

Ballungszentren wie Dublin, der Großraum London, München und die Randstad-Region werden weiterhin zulegen, weil sie Arbeitsplätze, umfangreiche Freizeitangebote für Familien und – ganz generell - Zukunftsfähigkeit bieten. Alles in allem jedoch werden nur relativ wenige Städte von diesem Trend profitieren. Anlagestrategen sind gut beraten, diese Studienergebnisse bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen.

Weiterführende Informationen finden Sie unter PATRIZIA INSIGHT, Europäische Wohnungsmärkte 2018/2019. 

By Marcus Cieleback / Greg Langley
 

Photo: Fendt18