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Topmoderne Büros - umgeben von Hamburger Stadtgeschichte

Hochmoderne Büros und lebendige Stadtgeschichte sind kein Widerspruch. Wie das Büroensemble Sprinkenhof, Teil des Hamburger UNESCO-Weltkulturerbes, eindrucksvoll belegt.

Ein Bürogebäudekomplex ist Teil der Sehenswürdigkeiten in Hamburg

Geschäftsviertel sind eher selten touristische Anlaufpunkte. Doch es gibt Ausnahmen. Dazu zählen New York, Shanghai und … Hamburg, die Stadt mit dem drittgrößten Hafen in Europa. Vor allem im berühmten Kontorhausviertel, seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbe, trifft man neben Mitarbeitern zahlreicher Unternehmen immer häufiger Touristen aus aller Welt.

„Unser Bürogebäude wird tagtäglich von Touristengruppen angesteuert. Weil man ein Weltkulturerbe natürlich gesehen haben muss“, weiß Sebastian Lohmer, langjähriger Managing Director von PATRIZIA Hamburg. Sein Büro befindet sich im Sprinkenhof, der früher einmal der größte Bürokomplex Deutschlands war und heute mehr denn je als architektonisches Vorzeigeobjekt des Backsteinexpressionismus gilt. Seit 2016 ist der Officekomplex das Juwel in PATRIZIAs 1 Milliarde Euro schwerem Hamburger Büroportfolio.

PATRIZIA zählt bereits seit 2011 zu den Mietern des Gebäudes, zu denen auch die Stadtverwaltung von Hamburg, Lufthansa sowie das bekannte US-Lebensmittelunternehmen Kellogg's gehören. Fünf Jahre später erwarb der von PATRIZIA verwaltete Fonds „PATRIZIA GewerbeInvest Deutschland II“ den Sprinkenhof von der Allianz Real Estate Germany.

Ein Symbol der Globalisierung

Der Sprinkenhof sowie weitere Gebäude des Kontorhauskomplexes wurden zwischen den beiden Weltkriegen gebaut. Ziel war es damals, Hamburger Kaufleuten ein angemessenes Domizil zu bieten. Im Gutachten der UNESCO wird das Gebäude als Symbol des "schnellen Wachstums des internationalen Handels im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert" gewürdigt.

1892 starb ein Großteil der Bevölkerung des Hafenviertels an einer verheerenden Cholera-Epidemie. Die damalige Stadtverwaltung entschied daraufhin, die bis dahin bestehende, sehr beengte Infrastruktur völlig neu zu strukturieren. Zunächst entstand die Speicherstadt, das größte zwischen 1885 und 1927 erbaute Speicherviertel der Welt. Wenig später folgte das Kontorhaus. Beide wurden 2015 zum Weltkulturerbe ernannt.

Die Entwürfe für den Sprinkenhof aus dem Jahr 1927 stammen von den Architekten Fritz Höger sowie Hans und Askar Gerson, zwei jüdischen Brüdern. Die Bauzeit betrug insgesamt 16 Jahre und verteilte sich auf drei Bauabschnitte. Immer wieder kam es zu Verzögerungen, unter anderem durch die aufkommende Wirtschaftskrise, politische Umwälzungen, den Tod von Hans Gerson im Jahr 1931 sowie die Verfolgung seines Bruders und letztlich dessen Flucht ins Exil 1938. Das Gebäude wurde schließlich im Mai 1943 eingeweiht. Zwei Monate später zerstörten alliierte Brandbomben Teile des Gebäudes. Der anschließende Wiederaufbau dauerte Jahre.

Es ist ein architektonisches Juwel mit einer Unmenge an lievevollen Details. 

Sebastian Lohmer, Managing Director von PATRIZIA Hamburg

Architektonisches Juwel

Der Sprinkenhof ist heute annähernd 200 Millionen Euro wert und verfügt über mehr als 36.000 Quadratmeter Bürofläche. Das monumentale, dreiteilige und halbrunde Gebäude zeichnet sich unter anderem durch seinen quadratischen Mittelblock, der von elegant geschwungenen Ost- und Westflügeln flankiert wird, und offene Innenhöfe aus. „Unser Sprinkenhof ist ein architektonisches Juwel mit einer Unmenge an liebevollen Details. Dazu gehören zum Beispiel eine aufwendig konzipierte Art Deco-Innentreppe und Paternoster-Aufzüge“, erläutert Lohmer.

Bei einem Paternosteraufzug verkehren mehrere an zwei Ketten hängende Einzelkabinen im Umlaufbetrieb ohne anzuhalten. Die Bezeichnung Paternoster (auf Deutsch: Vaterunser) leitet sich von einer ähnlichen – umlaufenden - Bewegung beim Zählen von Gebetsperlen, z. B. einem Rosenkranz, ab.. „Viele Touristen zögern einzusteigen, weil sie befürchten kopfabwärts unten anzukommen“, erklärt Lohmer amüsiert. "Eigentlich sollten wir für den Besuch Eintritt verlangen - wie beim Chrysler Building… ."

Architektonisch sticht das Gebäude besonders durch seine Backsteinfassaden hervor. Sogenannte Klinkerbänder durchziehen die einzelnen Wände und erschaffen dadurch eine vielfältige Ornamentik. Über 3.100 identische, eng beieinander liegende Fenster schmücken darüber hinaus die Wände und lassen das Gebäude wie einen Bienenstock erscheinen.

 Der Sprinkenhof ist der ehemals größte Bürokomplex Deutschlands und ist mit liebevollen Details ausgestattet.  

Doch auch seine charakteristische raue Oberfläche und die reiche Farbpalette von Braun über Rot bis Violett ließen den Klinkerstein zu einem wahrhaften Trendmaterial werden - zumalführende Architekten dadurch die Dynamik der damaligen Zeit, aber auch deren Spannungen ausdrücken konnten. Im Backsteinexpressionismus, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Norddeutschland entstand, wurde dieser Stil bewusst als Gegenstück zur damals ebenfalls aufkommenden neusachlichen Bauhausarchitektur verstanden, die überwiegend nutzbringend sein sollte und deswegen Ornamente ablehnte.

Fritz Höger war ein führender Vertreter des Backsteinexpressionismus und sein Meisterwerk, das spektakuläre, von Art-Deco-geprägte Chilehaus, thront wie ein riesiger Ozeandampfer vor Sebastian Lohmers Büro im Sprinkenhof. Höger und die Gersons belebten die Fassaden des Sprinkenhofs zusätzlich mit überstehenden Terrakottamotiven, die an die Geschichte des Gebäudes und die einzelnen Gewerbe der dort ansässigen Unternehmen erinnern sollen - vom Hamburger Wappen über Segelschiffe, Möwen und Zahnräder bis hin zu einer Faustskulptur mit goldenem Hammer.

Vorteile am Arbeitsplatz

Nicht nur Touristen schätzen den Charme des Sprinkenhofs, berichtet Lohmer, und weist auf die aktuelle Mieterauslastung von 93,5% hin. „Seit wir das Gebäude besitzen, haben wir jede freie Fläche innerhalb kürzester Zeit vermieten können. Das liegt einerseits am attraktiven Büromarkt hier in Hamburg und zum anderen natürlich auch an der Einzigartigkeit dieses Gebäudes. Die Mitarbeiter im Haus sind allesamt stolz darauf hier zu arbeiten.“

Der gesamte Komplex besticht durch hochmoderne Büroräume, eine überwältigende Historie, ein wiederbelebtes Viertel sowie eine beispielhafte Verkehrsanbindung. Die Weltkulturerbe-Auszeichnung hat sicherlich dazu beigetragen, aber auch sonst hat sich dieses Viertel in den vergangenen zehn Jahren enorm gemacht. „Jahrelang schien dieses Quartier fast vergessen. Inzwischen jedoch ist die Gegend hier extrem angesagt, was natürlich auch an den zahlreichen neuen Geschäften und Restaurants liegt“, erläutert Lohmer.

Das Gebäude wurde zwischen 1999 und 2002 umfassend renoviert und modernisiert. U.a. erhielten die Fenster eine Doppelverglasung sowie Holzrahmen im ursprünglichen Stil. Hinzu kamen ein neues Lüftungssystem, neue Elektrizitätssysteme, eine Zentralheizung sowie Doppelböden zur besseren Einbindung der Verkabelung. Im Ergebnis entstand ein hochmodernes Gebäude, das kürzlich vom Zertifizierungsunternehmen WiredScore unter anderem aufgrund seiner digitalen Infrastruktur und seiner Hochgeschwindigkeits-Internetverbindung mit dem Gold-Zertifikat ausgezeichnet wurde.

 Der Sprinkenhof befindet sich in einem Viertel in der Nähe des Flussufers, welches seit der Weltkulturerbe-Auszeichnung eine Wiedererlebung erfahren hat.  

Kein Wunder also, dass PATRIZIA ein weiteres Stockwerk bezog und weder an einen Umzug oder gar einen Verkauf des Gebäudes denkt.

Trotzdem gibt es laut Lohmer am Gebäude auch in Zukunft noch einiges zu tun. Beispielsweise soll der CO2-Fußabdruck des Gebäudes neu bewertet und verbessert werden – nicht zuletzt auf immer häufigeren Wunsch von Investorenseite. Bekanntlich arbeitet PATRIZIA an diesem Thema für ihr gesamtes Portfolio. Klinkersteine ​​sind in der Regel weniger gut isolierbar als andere Baumaterialien. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Energieeffizienz des gesamten Sprinkenhofkomplexes.

Flagge zeigen

Laut Lohmer ist das Management eines denkmalgeschützten Gebäudes dieser Kategorie eine echte Herausforderung, auch für ein so erfahrenes Unternehmen wie PATRIZIA. „Wir müssen die Hamburger Denkmalbehörde jedes Mal um Erlaubnis bitten, wenn wir auch nur kleine Änderungen im Innen- oder Außenbereich vornehmen wollen“, gibt er zu bedenken. Die Zustimmung zur Anbringung eines Fahnenmastes am Gebäude zum Beispiel erfolgte erst nach zwei jährigen Diskussionen.

 Zu den Besonderheiten gehören die Art Deco-Innentreppe und einer der wenigen verbliebenen 'Paternoster'-Aufzüge.

„Ursprünglich wehten am Kontorhaus zwei Flaggen, die Hamburger Flagge und die Firmenflagge“, erklärt Lohmer. Die Anbringung einer deutschen Flagge war nie ein Thema, ein Zeichen dafür, dass die Hamburger Kaufleute ihr Erbe als unabhängiger Stadtstaat nach wie vor pflegen.

Da das Gebäude im Jahr 2016 keinen Fahnenmast vorweisen konnte, wurde der Antrag zur Anbringung eines solchen seitens der Denkmalbehörde abgelehnt. Lohmer kramte wochenlang in alten Fotoarchiven, um nachzuweisen, dass wehende Fahnen schon immer zur Historie des Gebäudes gehörten. Der Nachweis gelang – und nachdem ein offizieller Bauantrag eingereicht und genehmigt worden war, weht nun seit 2018 erstmals die PATRIZIA Flagge über dem Sprinkenhof. In guter alter Tradition. Und natürlich zur großen Freude von Lohmer und seinem Chef, PATRIZIA Gründer und CEO Wolfgang Eggers.

– James Tulloch