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Erfolgsmodell Clusterstadt

Rikke Lykke, Managing Director Nordic Region, stellt im Interview anhand der dänischen Stadt Kolding die Idee der Clusterstädte vor, bei der B- und C-Städte kooperieren, um attraktiver für Investments zu werden. Skandinavien bietet für Investoren aus aller Welt interessante Möglichkeiten und Lykke schlägt vor, dass Kolding dem Clustermodell der aufstrebenden Metropolen Kopenhagen und Stockholm folgt.

Frau Lykke, warum ist Kolding allein nicht besonders attraktiv für Investoren?

Kolding fehlen einige wichtige Merkmale eines Ballungsraums, beispielsweise gibt es weder ein Großklinikum noch eine Universität. Die Einwohnerzahl nimmt zwar leicht zu, aber geringer als in der Region Nordic insgesamt. Alle diese Faktoren greifen ineinander. Zudem liegt Kolding in einer Gegend, in der viele Kommunen darum wetteifern, zur größten Stadt der Region zu werden. Wirbt die Nachbargemeinde Vejle zum Beispiel ein Unternehmen aus Kolding ab, feiert Vejle das als Erfolg und Kolding ist natürlich der Verlierer.

Die Idee eines Clusters – wie könnte dieses Modell für Kolding funktionieren? 

Ein Beispiel: Von Kolding ist es nicht weit bis Billund, mit Legoland, der LEGO-Zentrale und einem Flughafen. Vejle und Fredericia sind ebenfalls nah, wo die Menschen wegen der hohen Lebensqualität gerne wohnen. Kolding hingegen hat ein großes Einkaufszentrum und die Verkehrsachsen nach Deutschland im Süden und nach Kopenhagen im Osten kreuzen sich hier. Meiner Meinung nach wären diese vier Kommunen als Investment deutlich attraktiver, wenn sie sich zu einem Cluster zusammenschließen und gemeinsam daran arbeiten würden, Konzerne anzulocken. Wenn sich diese vier Kommunen im Wettbewerb um Konzerne wie den Logistikriesen DHL zusammentun, können sie sogar mit Silkeborg und Aarhus konkurrieren, die weiter im Norden liegen. Die Menschen wollen eben nahe an ihren Arbeitsplätzen wohnen. Ist ein Meeting in Kopenhagen angesetzt, kommt man von diesem Cluster aus viel leichter nach Kopenhagen, als den ganzen Weg von Aarhus zurücklegen zu müssen.

Müssten sich die Cluster-Städte einen neuen Namen geben, etwa Greater Kolding Area?

Greater Stockholm und Greater Kopenhagen sind Cluster, die jeweils den Namen der größten Stadt im Zusammenschluss tragen – in diesen Fällen sind es sogar die Hauptstädte der Länder. In beiden Fällen handelt es sich um eine Metropole und die umliegenden Gemeinden. Vielleicht ist es nicht jedem bewußt, aber Kopenhagen ist ein Cluster. Die Gemeinde selbst hat nur 600.000 Einwohner und erst zusammen mit Frederiksberg, Ballerup und einigen anderen kommt der Großraum Kopenhagen auf 1,3 Millionen Menschen.

Café in Kolding in Dänemark

Geht es bei einer neuen Clusterstadt vor allem darum, sich gut zu vermarkten?

Zusammenarbeit ist entscheidend, nicht nur Marketing und Kommunikation. Aber alle drei Faktoren sind wichtig. 

Gibt es in Kolding schon erste Schritte in diese Richtung?

Noch nicht. Tatsächlich gibt es aktuell sogar einen Konkurrenzkampf um die Zuganbindung. In Dänemark wird eine Hochgeschwindigkeitsbahn geplant und eine Station soll in dieser Gegend gebaut werden. Diese Haltestelle, wo auch immer sie sein wird, wird auch eine Verbindung zum Flughafen Billund herstellen. Momentan verfügt der Flughafen noch nicht über eine Zuganbindung. Jede Gemeinde kämpft gerade um diesen Bahnhof, der durch den Anschluss an den Flughafen Billund auch weitere Firmenansiedlungen bringen wird.

„Die Region Nordics gilt neben Deutschland als sicherer Hafen in Europa.“

Rikke Lykke, Manging Director Nordic Region

Die nordischen Staaten Europas rücken in den Fokus der Investoren. Warum gerade jetzt?

Trotz des Terroranschlags in Stockholm gilt die Nordic Region neben Deutschland als sicherer Hafen in Europa. Die nordischen Staaten sind politisch stabil und kamen besser aus der Finanzkrise als viele andere Länder. Die Erwerbstätigkeit ist hoch. Auch ein hohes Bildungslevel, eine positive Demografie und der Wohnungsmangel in den Städten sprechen für ein Investment. Dagegen weiß keiner, wie sich der Brexit auf Großbritannien auswirken wird.

Woher kommt die geradezu mythische Anziehungskraft Dänemarks?

Das ist kein Geheimnis. In globalen Rankings und volkswirtschaftlichen Kennzahlen liegen die nordischen Staaten beständig innerhalb der besten fünf oder zehn Länder. Vor allem im Bereich Forschung, Entwicklung, Innovation und Eliteuniversitäten werden regelmäßig Spitzenplätze belegt. Korruption gibt es hier ohnehin nicht. Das weltoffene Klima der Gesellschaft spiegelt sich auch in den guten Englischkenntnissen der Bürger wieder, das ist längst nicht in allen Ländern der Welt so. Diese und viele weitere Faktoren machen es Investoren leicht, in Dänemark anzulegen.

Fotos: Getty Images