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Der Mann, der das Händewaschen erfand

Wenn jemand unser aller Dank verdient, dann Ignaz Semmelweis. Ignaz wer? Er ist der Mann, dem Millionen von Menschen auf der ganzen Welt ihr Leben verdanken. Und das ist keine Übertreibung.

Regelmäßiges Händewaschen bitte nicht vergessen

Ein Ratschlag hat sich in den vergangenen Monaten während der Corona-Pandemie wohl bis in den letzten Winkel dieser Erde herumgesprochen: „Regelmäßiges Händewaschen bitte nicht vergessen“. Hinter diesen fünf Worten steckt eine einfache, aber grundlegende Wahrheit. Denn richtiges und häufiges Händewaschen verhindert erfolgreich die Verbreitung von Bakterien aller Art - und ist wohl auch die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus. Einen besseren Schutz von Mitmenschen gibt es bislang jedenfalls noch nicht.

Ignaz Semmelweis wurde vor rund 200 Jahren geboren. Er war der Erste, der die Bedeutung des Händewaschens für die allgemeine Gesundheit erkannte. Sein nobles Ziel: die Verhinderung der Weiterverbreitung von Krankheiten. Semmelweis wurde ein leidenschaftlicher Verfechter des Händewaschens. Das gefiel nicht allen. Schlimmer noch: Die Anerkennung seiner Entdeckung durch die damalige medizinische Kollegenschaft wurde ihm lebenslang verwehrt. Letztendlich ging Semmelweis gar an all den Intrigen gegen ihn, dem Spott und Hohn von allen Seiten zugrunde. Noch lange Zeit nach seiner Entdeckung wurden seinen Empfehlungen ignoriert. Heute wissen wir: Diese Ablehnung hat in den Jahrzehnten danach unzähligen Menschen – überwiegend Frauen – das Leben gekostet.

Warum Hände waschen so wichtig ist

Semmelweis, ein ungarischer Chirurg und Geburtshelfer, entdeckte die hygienische Bedeutung des Händewaschens in den 1840er Jahren während seiner Tätigkeit im Allgemeinen Krankenhaus Wien. Genauer gesagt beim Fund einer merkwürdigen Anomalie. Damals war die Haupttodesursache bei Geburten das sogenannte Kindbettfieber. Semmelweis fiel auf, dass bei Geburten 10- bis 20-mal mehr Frauen in Krankenhäusern starben als bei Hausgeburten.

Auf einer seiner Geburtsstationen lagen überwiegend wohlhabende Frauen,
auf einer weiteren vorwiegend ärmere. Die Sterblichkeitsrate auf der „Reichenstation“ war jedoch stets höher als auf den anderen. Ein Unterschied fiel Semmelweis dabei auf: Auf der einen Station arbeiteten überwiegend Ärzte und Medizinstudenten, die regelmäßig Leichensektionen vornahmen. Auf der anderen, in der ausschließlich Hebammen ihrer Arbeit nachgingen, nicht.
Ignaz Semmelweis, 42 iJahre alt , Jenő Doby.

Heute wissen wir, dass Kindbettfieber eine bakterielle Infektion der weiblichen Fortpflanzungsorgane ist. Damals jedoch war die Erforschung von Keimen und Bakterien nicht sehr weit fortgeschritten. Semmelweis wollte der Ursache auf den Grund gehen und untersuchte die Mütter noch gründlicher. Zu seiner Überraschung stieg nach seinen Untersuchungen die Sterblichkeitsrate noch weiter an.

1847 dann starb plötzlich ein Kollege, der versehentlich während einer Obduktion von einem Studenten verletzt worden war, an einer Blutvergiftung. Bei der Autopsie kam heraus, dass die Todesursache dieselbe war wie bei den Opfern des Kindbettfiebers. Semmelweis entdeckte, dass die Blutvergiftung durch Leichenexkremente verursacht worden sein musste. Hatten etwa Ärzte jahrzehntelang ihre Patienten auf dieselbe Weise kontaminiert? Semmelweis wies umgehend alle Ärzte im Krankenhaus an, ihre Hände vor dem Betreten einer Station in einer Chlorkalklösung zu waschen und die Stationen ebenfalls zu desinfizieren. Danach sank die allgemeine Sterblichkeitsrate im Krankenhaus schlagartig um 90%...

Eine verrückte Idee?

Mit seiner Entdeckung, dass Ärzte ihre eigenen Patienten kontaminierten und die Einhaltung strikter Hygieneregeln Epidemien verhindern kann, machte sich Semmelweis beim medizinischen Establishment der damaligen Zeit jedoch alles andere als beliebt. Fortan galt er als Nestbeschmutzer und erntete überall Spott und Hohn . Semmelweis setzte sich auf seine nicht immer diplomatische Art zur Wehr und beschimpfte seine Kritiker im Gegenzug als Mörder. Der Auseinandersetzungen müde wechselte er zum St. Rochus Krankenhaus nach Budapest, wo es ihm erneut gelang die Sterblichkeitsrate drastisch zu reduzieren. Bei der fehlenden Anerkennung seiner Entdeckung durch die allgemeine Ärzteschaft jedoch blieb es. Auch sein 1861 erschienenes Buch „Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers“ änderte nichts daran.

Desillusioniert und depressiv erkrankt starb Semmelweis im Alter von 47 Jahren in einer Irrenanstalt, in die er ohne Diagnose von drei Arztkollegen eingewiesen worden war. Immerhin: Längst werden seine Erkenntnisse und Methoden an Schulen für Medizin und öffentliche Gesundheit gelehrt und gehören zum Allgemeinwissen. Und nicht nur das: Zu Berühmtheit gelangte auch der nach ihm benannte Semmelweis-Reflex, der die menschliche Tendenz zur Ablehnung neuer Erkenntnisse beschreibt, sofern sie nicht dem herrschenden Weltbild des wissenschaftlichen Establishments entsprechen.