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Berlin: Wo Träume (virtuelle) Realität werden

Statistisch gesehen wird alle zwanzig Stunden ein neues Berliner Start-up-Unternehmen gegründet - zumindest bis zum Beginn von Covid-19. Die Stadt an der Spree gehört, neben London und Tel Aviv, nach wie vor zu den zehn größten Start-up Metropolen der Welt und ist in Deutschland die Nummer Eins. Hier in Berlin tummeln sich also deutschlandweit mehr Talente, Ideen und Investoren als irgendwo sonst im Land - aber wird die Stadt ihre Position auch nach dem Lockdown halten können?

Start-up City Berlin

Aber was genau ist ein Start-up? Der Deutsche Start-up-Verband sagt dazu Folgendes: ein internetaffines Unternehmen, nicht älter als zehn Jahre, das hohe Wachstumsraten anstrebt. In Berlin existieren aktuell rund 9.500 Start-ups (KFW-Start-up-Report 2019, Deutscher Startup Monitor 2019), die inzwischen eine grundlegende Bedeutung für die regionale Wirtschaft und den Arbeitsmarkt erlangt haben. Einige davon werden in nur wenigen Jahren zu Berlins größten Arbeitgebern gehören. Heute bereits beschäftigen Berliner Start-up-Firmen rund 13.200 Mitarbeiter - etwas weniger als die Berliner Verkehrsbetriebe, aber bereits mehr als Siemens vor Ort.

Berlin ist Deutschlands unangefochtene Start-up-City Nummer Eins. Urbane Vielfalt, hohe Lebensqualität sowie ein kreatives und internationales Flair machen die Stadt zu einem Magneten für Talente aus dem In- und Ausland. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu anderen deutschen Städten niedrig. Dies gilt umso mehr im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten. Und: In die digitale Wirtschaft wird mehr Geld denn je investiert. „Soweit wir wissen tummeln sich 80 Prozent aller Start-ups auf dem Internet- und Elektromobilitätssektor. Da sind wir mit unserem Start-up-Geschäftsmodell ressourcenschonende Fisch- und Gemüseproduktion so etwas wie ein Außenseiter. Umso mehr war ich selbst überrascht, dass die erste Finanzierungsrunde schon kurz nach Präsentation unseres Geschäftsplans erfolgreich über die Bühne ging“, erklärt ECF Farm Systems-Gründer Christian Echternacht.

The belief in the sustainable start-up has paid off – in Schöneberg, near the creative hub Malzfabrik, Echternacht and his team now operate the largest aquaponics farm in Europe.

Dividende der Nachhaltigkeit

Der Glaube an den nachhaltigen Erfolg seiner Start-up-Idee hat sich für Echternacht bereits bezahlt gemacht. In Schöneberg, nahe dem Kreativzentrum Malzfabrik, betreiben er und sein Team mittlerweile die größte Aquaponikfarm Europas. Hier, im Kreativzentrum, zählt vor allem ein Gedanke: Tauschen, leihen, spenden und im Team arbeiten - als Nachbarn. Die Start-up-Idee der gebürtigen Berlinerin Ina Brunk, Mitbegründerin von nebenan.de, war es hingegen Nachbarschaften zusammenbringen:
„Vor allem bei älteren Berlinern kam unser Projekt sehr gut an. Diese Menschen haben persönlich miterlebt, wie Berlin in den letzten 25 Jahren gewachsen ist. In vielen Stadtteilen führte dies zu einer Entfremdung zwischen bisherigen Bewohnern und Neuankömmlingen.“

Die Idee fand bundesweit Anerkennung und wurde sogar von der Standortinitiative der Bundesregierung „Deutschland - Land der Ideen“ gewürdigt. Mittlerweile ist nebenan.de deutschlandweit ein Begriff. Die Büros des Gründerteams befinden sich jedoch wie zu Anfangszeiten weiterhin im lebendigen und multikulturellen Kreuzberg. Wie in keiner anderen Stadt fallen Ideen in Berlin auf fruchtbaren Boden. Dafür sorgen vor allem mediale Veranstaltungen, die Start-ups bei der Vernetzung unterstützen und Investorenkontakte ermöglichen. „Noch 2000 galten Gründer abschätzig als Abenteurer. Inzwischen ist die Gründung eines Unternehmens regelrecht in Mode gekommen und immer mehr Menschen sind bereit, unternehmerische Risiken einzugehen“, weiß Boris Wasmuth, CEO und Mitbegründer von Berlin 2.0.

Berlin is Germany’s unequivocal start-up city – and café paradise. Berlin ist eindeutig Deutschlands Start-up City – und Café-Paradies (c) fotografixx

Berlin 2.0

Berlin 2.0 ist das älteste digitale Netzwerktreffen. Alle sechs Monate lädt Wasmuth die 100 besten Digitalunternehmer in Clärchens Ballhaus im Berliner Ortsteil Mitte ein. Er hat die Entwicklung Berlins zum Start-up-Hub vom ersten Tag an mitgestaltet.

„Ganz Ost-Berlin war damals grau. Überall zerfallene Gebäude und der Rauch alter Schornsteine hing in der Luft. Längst ist Berlin-Mitte ein farbenfrohes Viertel - nicht zuletzt, weil es internationaler geworden ist. Inzwischen wird fast überall überwiegend Englisch gesprochen.“

The Global Startup Ecosystem Report 2017 würdigte Berlin als „Standort der Talente“. Deutschlands Hauptstadt punktet vor allem durch eine Vielzahl an Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Dennoch sieht Paul Wolter, Sprecher des Deutschen Start-up-Verbands, weiteres Optimierungspotenzial.

Die Covid-19 Frage

Während Berlin die COVID-19-Sperre langsam hinter sich lässt, stellen sich viele die Frage, ob die Gründerszene weiterhin so aktiv bleibt. Die Regierung unterstützt die Unternehmen und leitete bereits entsprechende Präventivmaßnahmen ein, die verhindern sollen, dass Unternehmen in Berlin infolge der Pandemiekrise in Konkurs gehen und Mitarbeiter entlassen werden.

"Niemand wird von den Auswirkungen der Corona-Krise ausgenommen sein", sagt Nicole Scott, Redakteurin von mobilegeek, einem Nachrichtenportal für Technik. "Besonders Start-ups sind auf Grund ihrer geringen Budgets anfällig. Gerade Start-ups, deren Fokus nicht auf einem Lieferservice, oder Indoor- Business liegt, werden Schwierigkeiten haben."

Ob diese Herausforderung für die Start-up-Szene die jungen Leute, die in den letzten Jahren in die Stadt strömten, abschrecken wird, bleibt, wie so vieles nach COVID-19, noch abzuwarten.

Alexandra Hüther ist eine von über 200 lokalen Experten, die für PATRIZIA an 18 Standorten in Europa beschäftigt sind.