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Auf dem Weg in die digitale Zukunft: Immobilienwirtschaft vor Paradigmenwechsel

Innerhalb der Immobilienwirtschaft vollzieht sich ein Paradigmenwechsel: War sie bislang primär auf die Standorte von Objekten fokussiert, rücken zunehmend Erhebung, Analyse und Nutzung valider Informationen in den Vordergrund. Doch erst in Verbindung mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz und optimal gesteuerten Prozessen kann die Branche von diesem Datenschatz profitieren, betont PATRIZIA-Vorstandsmitglied Alexander Betz.

Auf dem Weg in das digitalisierte Morgen

Später als andere Sparten – vom Automobil- über den Pharma- bis zum Finanzsektor – ist auch die Immobilienwirtschaft in die digitale Zukunft aufgebrochen. Fast alle Unternehmen der Branche beschreiben die Digitalisierung als eines ihrer drängendsten Handlungsfelder. Bei der konkreten Umsetzung bremsen vielerorts bislang jedoch das Fehlen valider Daten, strategische Defizite und personelle Engpässe. Dies gilt gerade für deutsche Akteure; der anglo-amerikanische Raum, aber etwa auch Skandinavien geben hier den Takt vor.

Unternehmen steigern ihre Investitionen

Um international den Anschluss zu finden, steigerte die hiesige Immobilienwirtschaft ihre Investitionen in Digitalisierungsmaßnahmen im vergangenen Jahr erheblich. Jedes vierte Unternehmen stellte hierfür ein Budget von mehr als fünf Prozent seines Jahresumsatzes bereit. 2018 taten das erst 15 Prozent. Dies ist eines der Ergebnisse der aktuellen Studie „Gebaut auf Daten – digitale Immobilienwirtschaft“, die der Spitzenverband der Branche, ZIA, gemeinsam mit der Unternehmensberatung Ernst & Young durchgeführt hat.

Mit den Investitionen will der Sektor seinen Datenschatz heben, der ihm mittelfristig beste Möglichkeiten verheißt. So sehen laut Studie 70 Prozent der Unternehmen in der Nutzung ihrer Daten das Potenzial, neue Geschäftsmodelle zu eröffnen und bereits bestehende zu erweitern. Dafür setzen sie verstärkt auf Data Analytics, einer Methode, mit der Daten aus verschiedenen Quellen systematisch extrahiert und untersucht werden. Statt „Lage, Lage, Lage“ gelte heute „Daten, Daten, Daten“, bringt es PATRIZIA-Vorstand Betz auf den Punkt.

„Zu Beginn jedes Prozesses innerhalb der Immobilienwirtschaft steht die Herausforderung, relevante Daten zu erheben“, erklärt der Chief Digitalisation Officer (CDO). Dies sei Basis für den Einsatz von Blockchain-Technologien und KI-gestützten Systemen. Die Blockchain ist eine auf mehreren Rechnern verteilte, für alle Nutzer einsehbare, fortlaufend erweiterte Datenbank. „Künstliche Intelligenz“ als Teilgebiet der Informatik meint die Automatisierung intelligenten Verhaltens und maschinelles Lernen. Beides sind Treiber der Digitalisierung.

Dreiklang aus Daten, Technik, Prozessen

Optimal für eine nachhaltige Digitalisierung in den Unternehmen – langfristig auch für die gesamte Branche – sind laut Experten valide Daten, die nur ein einziges Mal erhoben und überprüft werden müssen, dann für den gesamten Prozess des Immobilienmanagements zur Verfügung stehen. Betz nennt es die „Single Source of Truth“. Schon heute finden sich umfassende Datenbestände, ob auf Markt-, Objekt- oder Nutzerebene. Sie zu gewichten und sinnvoll in Beziehung zu setzen, ist für den deutschen Immobiliensektor Neuland.

Statt „Lage, Lage, Lage“ gelte heute „Daten, Daten, Daten“

Alexander Betz

Nach Überzeugung von PATRIZIA-Vorstand Betz kann eine Digitalisierungsstrategie aber dauerhaft nur als Dreiklang aus hoher Datenqualität, intelligentem Technologieeinsatz und optimierten Workflows erfolgreich sein. „Letzteres meint schlanke, effiziente, produktive Prozesse im Unternehmen mit auch disruptiven Ansätzen“, erläutert Betz, „Prozesse, die abweichen dürfen, sollen und müssen, von der tradierten Art, Immobilien zu managen.“ Hinzukommen müssten unternehmensübergreifende Datenstandards und -strukturen.

Laut Betz durchliefen viele Branchen bereits tiefgreifende Erneuerungsprozesse, doch der Immobilienwirtschaft stehe ihre umfassende Digitalisierung noch bevor. „Sie muss sich als eher traditionell agierender Sektor dabei einer viel grundlegenderen Aufgabe stellen“, sagt Betz, „nämlich zunächst einmal den Umgang mit ihren eigenen Daten – man könnte es mit einem Augenzwinkern als ,Small Data’ bezeichnen – professioneller zu gestalten.“ Daten intelligent zu managen, minimiere die Fehlerquote und steigere die Leistungsfähigkeit.

Nur ganzheitlicher Ansatz verspricht Erfolg

Mit ihrem erweiterten Vorstand und den eingeleiteten Maßnahmen setzt sich PATRIZIA an die Spitze der Entwicklung. Das Ziel lautet, die operative Exzellenz und Servicequalität für Kunden weiter zu verbessern. Hierfür verfolgt PATRIZIA bei ihren Digitalisierungsprojekten einen ganzheitlichen Ansatz entlang der kompletten Wertschöpfungskette. „In der Praxis bedeutet dies, dass wir von unseren externen Dienstleistern bis zu unseren Investoren alle Stakeholder in unsere Betrachtung einschließen“, erläutert PATRIZIA-CDO Betz.

In die umfassende, nachhaltige und damit erfolgreiche Digitalisierung muss das gesamte Unternehmen mit all seinen Mitarbeitern, Prozessen und Abteilungen einbezogen werden. „Eine Digitalisierungsstrategie ist nicht einfach nur als IT-Strategie zu betrachten“, mahnt Betz, „sie muss als Kernbestandteil der strategischen und operativen Geschäftsstrategie von der Unternehmensführung aktiv berücksichtigt und betrieben werden.“ Am Ende stellt sich die Frage, wie sich eine solche Strategie erfolgreich im Unternehmen etablieren lässt.

An dieser Stelle muss ein häufiges Missverständnis ausgeräumt werden: Digitalisierung ist kein Projekt. Es bedarf des dauerhaften Vorgehens unter ganzheitlicher Einbeziehung des Unternehmens. Die Digitalisierung wird im eigentlichen Sinne niemals abgeschlossen sein. Und weil sich ihr Potenzial gerade in bereichsübergreifenden Tätigkeiten ganz besonders wirkungsvoll zeigt, bringt die Digitalisierung gleichzeitig stets auch Komplexität mit sich. In diesem Kontext „step by step“ vorzugehen, erweist sich langfristig durchaus als Vorteil.    

Eine Digitalisierungsstrategie ist nicht einfach nur als IT-Strategie zu betrachten

 

Am Ende kommt es auf den Menschen an

Nachhaltiger Erfolg bedingt eine gut konzeptionierte, klar fokussierte Geschäftsstrategie. Im Zeitalter der Digitalisierung muss diese Strategie jedoch nochmals „digital durchdacht“ und dabei sichergestellt werden, dass alle Vorgehensweisen vor dem Hintergrund heutiger technischer Möglichkeiten adaptiert werden. Einhellige Meinung scheint: Die steigenden Herausforderungen eines Immobilien-Investment-Managers lassen sich mit der Hilfe von Digitalisierung besser denn je lösen – allerdings nur, wenn sie kein Selbstzweck ist.

Aktuell befasst sich die Immobilienwirtschaft nicht nur hierzulande, sondern insbesondere auf internationaler Ebene deshalb mit grundlegenden Fragen: Was kennzeichnet optimale Strukturen im Unternehmen und innerhalb der Branche? Wie kommt sie zu gemeinsamen Standards bei Datenerhebung und -verarbeitung? Wie können hohe Qualität und sinnvolle Vernetzung von Daten gesichert werden? Die technische Gebäudebewirtschaftung könnte hier ebenso Impulse liefern wie das „Internet der Dinge“, im Fachjargon „IoT“ genannt.

Es beschreibt ein System von Sensoren, integrierten Computern und smarten Devices, die im fortwährenden Datenaustausch miteinander und mit einer Cloud vernetzt sind. So faszinierend die Möglichkeiten einer durchgreifenden Digitalisierung auch sein mögen, sie können Planung und Steuerung, vor allem aber den Arbeitsalltag nur unterstützen.

„Am Ende bleibt unser Geschäft ein ,People-Business’“, mahnt PATRIZIA-CDO Betz, „mit analogen Gesprächen zwischen Menschen statt des simulierten Dialogs mit Chatbots.“