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Zeit für smarte Mobilität

Wir leben in spannenden Zeiten, auch was das Thema Stadtentwicklung angeht. In Städten wohnen mehr Menschen als jemals zuvor. Weltweit. Nach Angaben der Vereinten Nationen leben heute 55 Prozent der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten – ein Anteil, der bis 2050 voraussichtlich auf 68 Prozent steigen wird.

Das Zeitalter der Städte

Dieser Urbanisierungstrend führt zu einer geradezu paradoxen Situation: Denn je mehr attraktive Städte sich entwickeln, desto stärker ist deren Anziehungskraft. Noch bremsen derzeitige Herausforderungen wie fehlender bezahlbarer Wohnraum oder häufige Verkehrsstaus die Attraktivität größerer Städte. Erste vielversprechende Lösungsansätze zeichnen sich aber bereits ab und man wird auch diese Probleme in absehbarer Zeit in den Griff bekommen: dank innovativer Technologie werden innerstädtische Abläufe in naher Zukunft verschlankt, der städtische Verkehrsfluss vereinfacht und die Lebensqualität von Städten insgesamt erhöht werden. Oder anders ausgedrückt: Willkommen in der Stadt der Zukunft – der Smart City.

Wie sehen die Smart Cities der Zukunft aus? Zum Beispiel so: Ein selbstfahrender PkW, ein sog. Autonomous Vehicle oder auch AV, holt Sie vor ihrer Haustür ab. Während Sie das Fahrzeug ganz ins Büro bringt, können Sie nebenbei schnell noch einige geschäftliche E-Mails auf ihrem Laptop abrufen oder sich Notizen für ihr morgendliches Meeting machen. Nachdem der Wagen Sie vor ihrem Büro abgesetzt hat, fährt er weiter, um eine andere Person zu deren gewünschtem Ziel zu bringen. Kein Wunder, denn wir leben schließlich längst in Zeiten der Shared Economy. Nach Büroschluss bestellen Sie per App ihre Feierabend-Fahrt und werden weniger später von einem anderen AV pünktlich abgeholt.

Eine realistische Vision der nahen Zukunft - und ich selbst freue mich bereits auf diese Zeiten. Wenn zukünftig Stadtplanung in die richtige Richtung geht, werden neben selbstfahrenden Autos auch andere innovative, technologieorientierte intelligente Mobilitätslösungen wie E-Scooter, Elektrofahrräder und -autos die Art und Weise zum Einsatz kommen und einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, überlastete Ballungszentren zu vermeiden, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und den gesamten Immobiliensektor positiv umzugestalten. Bereits eine 10% ige Steigerung der „Konnektivität“ einer Stadt erhöht laut einem Bericht von CBRE die Leistungsfähigkeit des Immobilienmarktes um 8,2%.

Finnland führend

Einen Blick in die Zukunft kann man schon heute in Helsinki werfen. Die finnische Hauptstadt gilt weltweit als Pionier im Bereich intelligenter Mobilitätslösungen. Laut aktuellen Planungen sollen die Einwohner von Helsinki bereits 2025 ohne eigenes Auto auskommen können. Zudem will die Stadt bis spätestens 2035 vollkommen klimaneutral sein. „Die integrierte Mobilität oder sog. Mobility as a Service (MaaS) wird die Art und Weise revolutionieren, wie sich Menschen ohne eigenes Fahrzeug von A nach B bewegen“, sagt Oliver Bonfils, Unternehmensberater des Helsinki Business Hub, einer internationalen Agentur für Handels- und Investitionsförderung, voraus. „Die Gesetzgebung erlaubt bereits heute selbstfahrenden Autos die Nutzung öffentlicher Straßen in Helsinki“, ergänzt Bonfils Kollegin Sonja Malin und fährt fort: „Staatliche Anreize ermutigen Immobilieninvestoren, die Carsharing-Optionen auf ihren Parkplätzen zu erweitern.“

Der Besitz eines Autos wird einmal vergleichbar sein mit dem eines Pferdes. Sie werden auch ein Auto in Zukunft nur noch aus sentimentalen Gründen besitzen. 

Elon Musk, Gründer des Elektikautoherstellers Tesla

Helsinki ist beileibe nicht die einzige Stadt, die beim Trend hin zu selbstfahrenden Autos vorausfährt. Auch die zweitgrößte schwedische Stadt Göteborg hat sich ambitionierte Ziele auf die Fahnen geschrieben und weltweit als erste Stadt eine Studie in Auftrag gegeben, die die Einbindung selbstfahrender Autos in ein langfristiges nachhaltiges Stadtentwicklungskonzept untersucht. Ein weiterer Gegenstand dieser Analyse ist die Frage, welche Anzahl und welche Art von Straßen, Gebäuden, Parkplätzen und öffentlichen Plätzen in der Stadt der Zukunft empfehlenswert ist. Auch der Umstieg auf Elektromobilität hat in Göteburg längst begonnen. Die Fähre entlang des bekannten Göta-Kanals wird ebenso elektrisch betrieben wie zahlreiche Busse auf Göteborgs Straßen. „Es geht um einen völlig neuen Ansatz Mobilität“, erklärt dazu Anna Svensson, Projektmanagerin bei der Stadtplanungsbehörde und sagt voraus: "Schon in wenigen Jahren wird sich die Welt verändern!"

Nur etwas für Nostalgiker: das eigene Auto

Bei all diesen neuen Entwicklungen kommen einem zwangsläufig die Worte von Elon Musk, Gründer des US-amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla, in den Sinn: „Der Besitz eines Autos wird einmal vergleichbar sein mit dem eines Pferdes. Sie werden auch ein Auto in Zukunft nur noch aus sentimentalen Gründen besitzen...“ Wer dennoch meint, ein eigenes Fahrzeug sei auch zukünftig unverzichtbar, sollte seinen Taschenrechner zur Hand nehmen. Denn laut Berechnungen von Fredy Hasenmaile, Leiter Real Estate Economics bei Credit Suisse, „senkt der Einsatz selbstfahrender Autos die Mobilitätskosten um geschätzte 85%, während die Nutzung von fahrerlosen Bussen diese Kosten immerhin um 50% reduziert“. Und ergänzt: "Wenn etwas günstiger wird, wird es entsprechend mehr nachgefragt."
Ein weiterer Vorteil: Wenn die Anzahl privat genutzter PKW sinkt, verringert sich auch der Bedarf an Parkplätzen in der Innenstadt. Dadurch wird zusätzlich Raum frei für weitere Immobilienprojekte. Allerdings bedeuten weniger Autos auf den Straßen nicht unbedingt weniger Verkehr. Auf der einen Seite wird die Zahl zugelassener Autos etwa um drei Millionen sinken. Andererseits wird diese Zahl durch die zunehmende Nutzung von Robotertaxis und -shuttles wohl übertroffen werden, was wiederum neben erhöhter Mobilität zwangsläufig ein höheres Verkehrsaufkommen mit entsprechender Staugefahr bedeutet. „Keine Frage: Wenn alle Autos selbstfahrend sind, wird sich die Straßennutzung verfünffachen“, schätzt Hasenmaile.

Stadtentwicklung ist jedoch nicht das einzige Thema, das neu gedacht werden muss. Auch der Trend zu intelligenter Mobilität wird einschneidende Veränderungen nach sich ziehen. Allerdings willkommene. „Selbstfahrende Autos werden den Wohnimmobilienmarkt aufmischen, weil Vororte und das flache Land zu potenziellen Immobilien-Hotspots werden“, vermutet Hasenmaile und ergänzt: „Städte bieten derzeit ein komfortables öffentliches Verkehrssystem, aber dieser städtische Vorteil wird sich verringern, wenn selbstfahrende Autos auch in ländlichen Gebieten verfügbar sind und die gleiche Mobilitätsqualität bieten.“

Fliegende Taxis

Die Mobilität wird sich nicht nur auf den Straßen verändern, sondern auch in der Luft. Zukünftig werden unter anderem Air Taxis oder fliegende Drohnen menschliche Passagiere befördern. Kleine Flugroboter heben derzeit sprichwörtlich ab, insbesondere im kommerziellen Bereich. Und die wichtigsten Anwendungsbereiche werden in Zukunft voraussichtlich in der Bau- und Immobilienbranche zu finden sein.

Faszinierend sind durch Drohneneinsätze erreichbare Fortschritte zum Beispiel beim 2D- und 3D-Mapping, thermischer und multispektraler Bilderfassung sowie Echtzeitdatenerhebung für Building Information Modeling-Software (BIM). Darüber hinaus sind Drohnen ideal geeignet für Detail- und Nahaufnahmen bei Wartungen oder – mit Unterstützung von Wärmebildkameras - zur frühzeitigen Erkennung von Rissen und Abnutzungen an Gebäuden. Drohnen eignen sich ebenfalls perfekt für sogenannte Reality Capture-Anwendungen. Gebäude werden hierdurch bereits während des Baus präzise vermessen. In China fliegen Drohnen sogar nachts über Baustellen, um den Fortschritt der täglichen Arbeit zu messen.

Auch im Bereich Marketing können Drohnen hilfreich sein. Man denke nur an die Aufnahme beeindruckender Luftbilder oder Videos von Immobilien, die von smarten Immobilienprofis bei der Vermarktung von Gebäuden und ihrer Umgebung eingesetzt werden können.

Leistungsstarke Drohnen und Roboter-Lösungen 

Letztlich ist das Potenzial zukünftiger Anwendungen von Drohnen unbegrenzt – von der Logistik über Sicherheitsdienstleistungen bis hin zu alltäglichen Arbeiten wie Fensterreinigung usw. Als Paradebeispiel gelten derzeit die leistungsstarke Drohnen- und Robotiklösungen des in Lettland ansässigen Unternehmen Aerones. Deren Drohnen kommen seit geraumer Zeit sehr erfolgreich bei der professionellen Reinigung und Instandhaltung großer Objekte wie Windkraftanlagen und Hochhäusern zum Einsatz.

„Wir sehen große Chancen für den Einsatz unserer Schwerlastdrohnen-Technologie bei Wartung und Instandhaltung von Windkraftanlageblättern“, erzählt Janis Putrams, CEO von Aerones. „Industriekletterer erledigen diese Arbeiten derzeit noch von Hand. Windkraftanlagen werden aber immer größer und alleine durch Handarbeit sind diese Aufgaben zukünftig nicht mehr zu bewältigen.

 Innovative Technik kann dazu benutzt werden, Abläufe in Städten zu optimieren, den Verkehrsfluss zu vereinfachen und die Lebensqualität einer Stadt zu verbessern.

Der Einsatz von Drohnen spart jede Menge Zeit und Geld. Putrams weiter: „Unsere Technologie ist deutlich schneller. Jede Minute, in der eine Windkraftanlage stillsteht, kostet den Eigentümer Geld. Weitere Pluspunkte sind Sicherheit und Versicherungskosten. Wenn man keine Leute mehr mit Seilen auf Turbinen hochschicken muss, wird alles viel einfacher und kostengünstiger."
Damit Drohnen abheben können, muss die erforderliche Infrastruktur bereitstehen. Bei der zukünftigen Planung von Bauten müssen Flächen für sog. Vertiports, an denen Drohnen senkrecht starten und landen können, berücksichtigt werden. Solche Ports kosten je nach Größe, Anzahl der Luftfahrzeuge und Standort zwischen 2 und 200 Millionen US-Dollar. Zusätzlich müssen Servicezentren eingerichtet werden, in denen Lufttaxis und andere Transportfahrzeuge untergebracht werden können. Weiterhin werden Ladestationen und Verteilungsknotenpunkte benötigt, damit Drohnen beförderte Waren laden und abliefern können.

Kaum weniger anspruchsvoll wird der Transport von Menschen durch die Luft. Man denke nur an Themen wie Lärm, Verkehrsstaus, Sicherheit in der Luft und am Boden (stellen Sie sich z.B. eine Drohne vor, die über städtischem Gebiet abstürzt) und die Batterielebensdauer. Durchweg Fragen, die derzeit weitgehend ungeklärt sind.

Die Zukunft ist offen

Letztendlich aber werden solche smarten Mobilitätslösungen in Zukunft einen großen Einfluss auf die gesamte Immobilienbranche haben. Durch entsprechende infrastrukturelle kommunale Maßnahmen werden Städte auch in Bezug auf Mobilität besser vernetzt und effizienter werden, was wiederum einen weiteren Anstieg der Immobilienpreise nach sich ziehen wird. Alleine neue Einrichtungen wie Ladestationen für Elektroautos oder Carsharing-Parkplätze werden die bislang bekannte Städteplanung von Grund auf in Frage stellen. Ein vermehrtes Aufkommen von selbstfahrenden Autos und Lufttaxis wiederum wird den Bedarf an Parkplätzen verringern und dadurch mehr Flächen für Immobilienentwicklungsprojekte bereitstellen. Darüber hinaus bieten Drohnen und andere innovative Technologien ein enormes Potenzial, z.B. durch den verstärkten Einsatz von 3D-Mapping-Methoden und die Lieferung von Echtzeitdaten für Building Information Modeling-Software. Die Zukunft war schon immer ungewiss – aber dank neuer Technologien und Innovationen können wir zuversichtlich nach vorne schauen.