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„Wir sind sehr gut aufgestellt“

Disruption wird in aller Regel von Menschen und Teams herbeigeführt, die über den Tellerrand hinausdenken, den Status quo in Frage stellen, Kundenbedürfnisse in den Vordergrund rücken und lieber handeln als nur reden. Will man in einem disruptiven Marktumfeld an der Spitze bleiben, spielt die richtige Auswahl von Mitarbeitern und die Zusammenstellung von Teams eine ganz entscheidende Rolle. Ein Interview mit Simon Woolf, verantwortlich für Human Resources bei PATRIZIA.

estatements Magazin:Sie sind vor einigen Monaten aus der Unterhaltungsindustrie zu PATRIZIA gekommen. Wie innovativ ist Ihrer Einschätzung nach die Immobilienwirtschaft?
Simon Woolf: Die Immobilienwirtschaft war sicherlich kein Treiber in Sachen Digitalisierung. Als klassische B2B-Branche lebt dieser Wirtschaftszweig seit jeher von vertrauenswürdigen Beziehungen sowie maßgeschneiderten Investitionen und Dienstleistungen. Es überrascht deshalb nicht, dass es beim Thema Digitalisierung anfangs nicht voranging. Aber genau dieser Veränderungsprozess ist jetzt in vollem Gange.

estatements:Wie stärkt HR die Innovationskraft eines Unternehmens?
Woolf: Das Immobilien-Investmentmanagement war immer schon ein People-Business. Die Mitarbeiter waren, sind und bleiben der Schlüssel zum Erfolg von PATRIZIA. Aber sowohl die Talentsuche wie die Aus- und Weiterbildung werden anspruchsvoller. Bislang bestand eine unserer Kernaufgaben darin, erworbenes Wissen zu aktualisieren sowie vorhandene Qualifikationen intern weiterzuentwickeln. Zukünftig wird es zunehmend darauf ankommen, die Fähigkeit zu entwickeln, in einer agilen Umgebung zu arbeiten, die auf Communities anstatt auf festen Strukturen basiert. Bei HR arbeiten wir eng mit allen Geschäftsbereichen zusammen, um genau jene Qualifikationen und Fähigkeiten, die für unser Unternehmen entscheidend sind, zu fördern und zur Entfaltung kommen zu lassen. Dieser Prozess geht nicht von heute auf morgen. Als Branchenführer ist es jedoch unser Anspruch, diese Fähigkeiten intern weiterzuentwickeln. Wenn wir unseren Wettbewerbsvorteil behalten wollen, müssen wir uns diesen Herausforderungen stellen. Und das werden wir. 

estatements:Welche nächsten Schritte erwarten Sie bei der Digitalisierung in der Immobilienbranche?
Woolf: Derzeit beschäftigt sich die Branche überwiegend mit Nutzererfahrungen – egal, ob es sich dabei um unsere Kunden, Investoren oder Mitarbeiter handelt. Wir müssen lernen zu verstehen, inwieweit Digitalisierung die Sichtweise von Mietern und Investoren auf Immobilien und Immobilienwerte verändert. In der nächsten Digitalisierung bedeutet in unserer Branche zunehmend den Einsatz digitaler Tools sowie die Nutzung von Datenanalysen zur Optimierung von Prozessen, Diensten, der Qualität von Prognosen und des Risikomanagements.

estatements:Inwiefern wird sich die kommende Phase von den vorherigen unterscheiden?
Woolf: Der FinTech-Markt explodiert derzeit regelrecht und Start-ups schießen wie Pilze aus dem Boden. In der Folge wird Digitalisierung horizontal auf sämtliche Prozesse beim Immobilien-Investmentmanagement – vom eigentlichen Investment- bis hin zu Serviceprozessen – übertragen werden. Talent, Technologie und unternehmerisches Denken werden künftig in der Investmentwelt den Unterschied ausmachen.

estatements:Wie kann ein etabliertes Unternehmen wie PATRIZIA mit der Dynamik und Agilität von Start-ups Schritt halten?
Woolf: Branchenführer wie wir haben einen wesentlich breiteren Horizont. Dadurch sind wir – und nur wir - in der Lage, die Bedürfnisse unterschiedlichster Interessengruppen zu bedienen. Um die Nase vorne zu behalten müssen wir uns die Fähigkeit bewahren, außergewöhnliche Ideen frühzeitig zu erkennen und in unser Geschäftsmodell zu integrieren. Wir müssen neugierig bleiben und immer wieder bereit sein neue Wege zu gehen. Wir müssen eine Umgebung schaffen, die ein optimales Zusammenwirken zwischen innovativen Unternehmen, Teams und Köpfen ermöglicht, um die besten Ideen weiterzuentwickeln und anwendungsreif zu machen. Anders gesagt: Wir müssen Augen und Ohren offenhalten und bereit sein die Chancen zu nutzen, die uns neue Technologien und Ideen bieten.

estatements:Wie kann ein Unternehmen diese Fähigkeiten entwickeln und beibehalten?
Woolf: Entscheidend sind die aktuellen technischen Entwicklungen sowie deren Einfluss auf den Markt, die Branche und Kundenbedürfnisse im Auge zu behalten. Wenn man sich in dieser Weise zukunftsorientiert aufstellt, sind entsprechende Mitarbeiter, Ressourcen und Strukturen erforderlich. Hier ist das gesamte Unternehmen gefragt. Wir müssen eine entsprechende Unternehmenskultur entwickeln, bei unseren Mitarbeitern eine neue Begeisterung für Themen wie Technologie, Digitalisierung und Innovationen wecken. Und wir alle sind gemeinsam aufgerufen, großartige Ideen zu entwickeln – egal auf welcher Ebene des Unternehmens oder in welcher Abteilung wir tätig sind. 

estatements: Wir reden hier also über eine Führungsfrage?
Woolf: Größtenteils ja. Das Management muss über den Tellerrand hinausdenken - in jeder Beziehung: Um Entwicklungen in anderen Branchen im Auge zu behalten und zukünftige Trends frühzeitig zu erkennen. Mitarbeiter müssen motiviert werden, den Status Quo immer wieder in Frage zu stellen. Sie brauchen Führungskräfte, die Spielräume zum Ausprobieren geben – zum Experimentieren mit neuen Technologien, Prozessen und Ideen. Und die bereit sind etwas zu riskieren.

estatements: Welche Veränderungen sehen Sie auf dem Arbeitsmarkt?
Woolf: PATRIZIA ist eine etablierte Marke und Marktführer in der Immobilienbranche. Die Grenzen zwischen den einzelnen Branchen verschwimmen mit zunehmender Digitalisierung. Somit konkurrieren wir mit einer Vielzahl anderer Unternehmen um neue Talente. Insbesondere im Bereich Digitalisierung. Deshalb wollen wir PATRIZIA auch als Arbeitgebermarke voranbringen. Karriereplanung, die Möglichkeit zu Auslandseinsätzen, die Corporate Social Responsibility-Leitlinien des Arbeitgebers – all dies wird auf dem Arbeitsmarkt wichtiger. Junge Menschen sind heute immer häufiger bereit, ihren Arbeitsplatz für die Karriere zu wechseln. Deshalb müssen wir ihre Erwartungen nicht nur erfüllen, sondern möglichst übertreffen. Und dabei spielt die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle. 

estatements: Wird PATRIZIA in den kommenden Jahren ihren Wachstumskurs bei fortschreitender Digitalisierung in der Immobilienbranche fortführen?
Woolf: Ich bin sehr zuversichtlich, was die Zukunft von PATRIZIA angeht. Wir besitzen die richtige Offenheit und den richtigen Drive, um diese Herausforderungen erfolgreich zu bestehen. PATRIZIA war immer schon offen für technologische Entwicklungen und macht große Fortschritte in Sachen Innovationen. Wir arbeiten hart daran, unsere Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Eine Kultur, die das Mindset von Startups mit der Erfahrung und dem Know-how eines Unternehmens verbindet, das sich über 35 Jahre hin entwickelt hat. Wir sind sehr gut aufgestellt, um die bevorstehenden Herausforderungen erfolgreich zu meistern und werden weiterhin bei allen wesentlichen Entwicklungen in der Immobilienbranche vorangehen. 

Das Interview führte Simone Wipplinger.