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Wir müssen nicht

Unabhängigkeit ist für Wolfgang Egger ein zentraler Wert. Als Gastautor im estatements Magazin erklärt der Gründer und CEO von PATRIZIA, weshalb das so ist und warum Unabhängigkeit eine entscheidende Voraussetzung für nachhaltigen Unternehmenserfolg ist.

Immer, wenn ich einen Blick auf das Telefon auf meinem Schreibtisch werfe, werde ich an eine Leitlinie unseres Unternehmens erinnert. „Wir müssen nicht“, steht da auf einem Zettel. Der Spruch verdeutlicht, worauf es mir ankommt, seit ich 1984 PATRIZIA gegründet habe: Für mich war und ist es stets von großer Bedeutung, selber entscheiden zu können. Diese Unabhängigkeit ist die Grundlage für den Erfolg von PATRIZIA.

Unabhängigkeit bedeutet Verantwortung 

Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Kann eines der führenden Immobilieninvestmenthäuser Europas wirklich in voller Unabhängigkeit und Freiheit agieren? Ist es nicht zwangsläufig abhängig von seinen Kunden, von Banken, von Geschäftspartnern aller Art, letztlich auch vom Marktumfeld? Das ist natürlich richtig. Unabhängigkeit, wie ich sie verstehe, bedeutet jedoch nicht, im luftleeren Raum zu handeln, keine Verantwortung zu übernehmen und sich den persönlichen Vorlieben hinzugeben. Ganz im Gegenteil: Unabhängigkeit setzt ein hohes Verantwortungsbewusstsein voraus und ist die Voraussetzung dafür, seinen Kunden und Geschäftspartnern auf Augenhöhe zu begegnen und langfristig – im besten Sinne nachhaltig – erfolgreich am Markt tätig zu sein.

Was macht PATRIZIA unabhängig? 

Zunächst einmal sind wir nicht in einen Konzern eingebunden, sondern ein eigenständiges, börsennotiertes und eigentümergeführtes Unternehmen. Wir müssen deshalb nicht Produkte verkaufen, deren Vertrieb zufällig gerade im Konzerninteresse liegt, sondern können unsere Kunden unabhängig beraten. Das bedeutet, dass wir mit ihnen zusammen Investitionen tätigen, die attraktive Renditechancen eröffnen. Dabei sind wir offen für alle Nutzungsarten – von Büro über Einzelhandel und Wohnen bis hin zu Hotels und Pflegeheimen. Wir sind auch offen für unterschiedliche Risikoklassen – von Core über Value Add bis hin zu Opportunistic. Und wir sind offen für eine Vielzahl von Ländern – von Deutschland über Finnland und Irland bis hin zur iberischen Halbinsel. Ob Bürogebäude in Skandinavien oder Fachmarktzentren in Deutschland, ob Wohnungen in den Niederlanden oder Einzelhandelsobjekte in Spanien – wir empfehlen unseren Kunden stets diejenigen Objekte und Projekte, bei denen wir für sie den größten Mehrwert sehen.

Letztlich muss man verstehen, dass der gedankliche Ansatz von PATRIZIA einer Pensionskasse gleicht. Wir denken langfristig, das heißt in Generationen. Und wir behandeln das uns anvertraute Geld als ob es unser eigenes wäre. Der einzige Unterschied zu einer Pensionskasse ist der, dass wir ausschließlich in Immobilien investieren: Und das wie bereits erwähnt in alle Asset- und Risikoklassen europaweit und stets mit eigenen Mitarbeitern vor Ort.

Unabhängigkeit bedeutet auch, dass wir unseren Kunden die für ihre Zwecke beste Investmentkonstruktion vorschlagen. Das kann ein deutscher Spezialfonds sein, aber auch ein Vehikel nach luxemburgischem Recht oder ein französischer OPCI. Hinzu kommt ein besonders wichtiger Aspekt: Wir sind von Banken unabhängig. Wir müssen unseren Kunden deshalb keine Finanzierung eines bestimmten Instituts verkaufen, sondern arbeiten mit rund 80 Banken zusammen, aus denen wir diejenigen auswählen, die für die jeweilige Investition die besten Konditionen bieten. Dieses Netzwerk von 80 Partnerbanken bietet zudem die wertvolle Chance, mit weiteren Geschäftspartnern in Kontakt zu treten und so neue Geschäfte zu generieren.  

Haftzettel mit Notiz „We don't have to!“

Unabhängigkeit braucht Überzeugung

Zur Unabhängigkeit, wie ich sie verstehe, gehört der Mut zur eigenen Meinung. Wir reden unseren Kunden nicht nach dem Mund, sondern beraten sie unabhängig – und das bedeutet, auch einmal nein zu sagen. So begleiten wir zum Beispiel nicht bedingungslos jedes Investment in jede Assetklasse in jedem Land. Unser Prinzip lautet: Erst müssen wir von einem Markt, dessen Chancen und Nachhaltigkeit überzeugt sein. Dann suchen wir dort kompetente Spezialisten, „Lokalisten“, die den Markt genau kennen. Sind diese beiden Schritte erfolgt, bieten wir unseren Kunden diese Möglichkeit an, suchen Objekte, begeben uns in Kaufverhandlungen. Nicht früher, nicht in anderer Reihenfolge. Wir investieren auch nicht plötzlich in Mikroapartments in französischen B-Städten, weil gerade Mikroapartments in französischen B-Städten en vogue sind. Sondern wir tun das nur dann, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Wir müssen aufgrund unserer Marktanalyse überzeugt sein, dass solche Kleinwohnungen an diesen Standorten mittel- bis langfristigen Erfolg versprechen; und wir müssen die Fachleute gebunden haben, die sich mit Mikroapartments auskennen.

Unabhängigkeit schafft Mehrwert

Dass dieser Mut zur Unabhängigkeit für unsere Investoren sehr erfreuliche Folgen hat, zeigt das Beispiel der LBBW Immobilien GmbH mit ihren rund 20.000 Wohnungen, die wir 2012 im Auftrag eines Investorenkonsortiums übernommen hatten. 2015 verkauften wir die nun als Südewo firmierende Gesellschaft weiter an die heutige Vonovia, weil diese uns ein sehr attraktives Angebot unterbreitet hatte. Damit realisierten wir den Exit deutlich früher als im Businessplan vorgesehen und erzielten so für das Investorenkonsortium einen echten Mehrwert. Wären wir ein reiner Asset Manager, so hätten wir diesen Verkauf gewiss nicht angestrebt, da uns damit ja ein Asset-Management-Mandat verloren ging. Als Investmenthaus mit umfassendem Ansatz aber denken wir weiter: Indem wir den Investoren ein gutes Geschäft sichern, steigern wir die Chance, dass sie auch künftig wieder mit uns zusammenarbeiten werden.

Unabhängigkeit braucht Vertrauen

Diese Langfristigkeit der Geschäftsbeziehungen ist ein untrennbarer Bestandteil unserer Unabhängigkeit. Unsere Investoren wissen, dass wir selber die DNA eines Investors haben. Wir stehen dafür, dass wir das Geld unserer Anleger genauso investieren, als ob es unser eigenes wäre. Der schnelle Deal ohne Rücksicht auf mögliche langfristige Verwerfungen ist nicht unser Ansatz. Denn wir bleiben am Markt und wollen unseren Investoren auch dann noch in die Augen blicken können, wenn die Transaktion abgeschlossen ist. Deshalb werden wir nie – wirklich niemals – unsere Reputation um des kurzfristigen Erfolgs willen aufs Spiel setzen. Das bedeutet auch, dass wir uns unserer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind. Beim Verkauf der SÜDEWO beispielsweise achteten wir sehr genau darauf, dass der neue Eigentümer alle Verpflichtungen gegenüber den Mietern einhält, die sich aus der von uns unterzeichneten Sozialcharta ergeben. Wir sind eben kein Private-Equity-Hasardeur, der mal hier und mal dort auftritt und im Zweifelsfall auch schnell wieder vom Immobilienmarkt verschwunden ist. Wir wissen, dass Immobilien ein langfristiges Gut sind, das die Umwelt und die Menschen prägt und mit dem man verantwortungsbewusst umgehen muss. Um unsere Unabhängigkeit bewahren zu können, braucht es wirtschaftliche Stärke. Unabhängig sein kann nur, wer über eine solide Ausstattung mit Eigenkapital verfügt, wer die nötige Kraft aufweist, um auch schwierige Marktphasen durchzustehen, und wer die nötige Flexibilität hat, um auch volumenstarke Projekte schnell für sich zu entscheiden. Das ist der Grund, warum PATRIZIA seit Jahren kontinuierlich wächst und sich immer neue Länder und Geschäftsfelder erschließt. Auf diese Weise haben wir das Vertrauen institutioneller Investoren gewonnen, was wiederum dazu führt, dass neue Investoren auf uns aufmerksam werden. Wachstum ist also kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um unsere Unabhängigkeit zu bewahren. Grundsätzlich gilt: Stillstand ist keine Alternative. Das hat sich immer wieder bestätigt. Nur wer sich mit dem Markt mitentwickelt, sich stets auf die Herausforderungen von morgen vorbereitet, kann auf Dauer unabhängig und erfolgreich sein. Dies wird aber nur gelingen, wenn in der Sache immer das beste Argument gewinnt – unabhängig von Rang und Namen, hierarchiebefreit. Dazu bedarf es einer von Vertrauen getragenen Atmosphäre, die selbstverständlich auch eine positive Streitkultur zulässt.

Unabhängigkeit ist kein Selbstläufer 

Unabhängigkeit ist harte Arbeit, eine niemals endende Herausforderung. Und Unabhängigkeit ist eine willentliche Entscheidung, die man jeden Tag aufs Neue wieder treffen muss. Dabei ist es wichtig, auf die eigenen Ziele fokussiert zu sein, vor allem aber im Verständnis für die eigenen Stärken zu handeln. Man muss sich also nicht nur selbst etwas zutrauen, sondern sich selbst auch vertrauen. Denn nur wer sich selbst vertraut, kann anderen vertrauen – und so wiederum das Vertrauen anderer gewinnen. 
Ich möchte noch einmal betonen: Wir müssen nichts. Aber: Wir wollen viel. Wir wollen der  beste Partner für unsere Investoren sein und uns dauerhaft als eines der führenden Investmenthäuser auf dem europäischen Immobilienmarkt etablieren. Unabhängigkeit hat PATRIZIA dabei weit gebracht. Denn unabhängige Partner sind starke Partner. Und nur auf starke Partner ist Verlass.