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Wir gehen die extra Meile

Kaum jemand bringt auf Anhieb Immobilien mit Technologie in Verbindung. Eines der wenigen Immobilienunternehmen, das wegweisende Technologien traditionell ernst nimmt, ist PATRIZIA.

Die anhaltende Innovationsentwicklung 

Unter disruptiven Technologien verstehen die allermeisten in der Regel Computer, Smartphones, Roboter, Elektrofahrzeuge und andere technologische Errungenschaften. Dr. Manuel Käsbauer ist bei PATRIZIA der Mann, der als Head of Technology & Innovation gemeinsam mit einem mehrköpfigen Team von Spezialisten Trends verfolgt, analysiert und einordnet. Schon als Schüler war Käsbauer ein absoluter Technikfreak. Seine Passion konnte er später im Beruf mit seiner zweiten großen Leidenschaft, der Immobilienwirtschaft, verknüpfen.
Im estatements Interview gibt er Einblicke in sein Aufgabengebiet - und wagt einen Blick in die Zukunft. 

estatements magazine: Erst kürzlich hat PATRIZIA in vielversprechende Technologieunternehmen investiert – warum?

Manuel Käsbauer: Wir haben in Unternehmen investiert, die den Kern unserer Businesstätigkeit betreffen. Dabei geht es nicht um schnelle Rendite, sondern vielmehr darum, unser operatives Geschäft als Immobilieninvestment-Manager zukunftssicher zu machen. Wir werden dadurch die Produktivität, Transparenz und Qualität unserer Prozesse und Produkte steigern. Bereits im Oktober vergangenen Jahres investierten wir in Evana. Das Unternehmen betreibt eine Daten- und Dokumentenplattform, die mithilfe künstlicher Intelligenz (AI) physische Dokumente digitalisiert. Im nächsten Schritt werden diese digitalisierten Dokumente in eine logische Struktur eingebunden. Informationen werden auf diese Weise erheblich schneller und einfacher gefunden als jemals zuvor. Die Daten werden automatisch aus den jeweiligen Dokumenten extrahiert. Danach können wir die diese Dokumente und die darin enthaltenen Daten sofort für unsere logischen Workflows bei PATRIZIA nutzen.

Ein weiteres Beispiel ist Cognotek, das einen neuen, innovativen AI-Ansatz verwendet. Dieses Investment ist eine ideale Ergänzung zu Evana, denn durch deren Prozesse wird die Genauigkeit von Evana-Dokumentenklassifizierungen, -extraktionen und -identifizierungen noch einmal erhöht. Der Cognotekt-Ansatz wird als "Verarbeitung natürlicher Sprache" bezeichnet und übersetzt Sprache in Mathematik. Drittes Beispiel ist Control IT. Im Unterschied zu den beiden Erstgenannten ist Control IT kein Start-up, sondern ein etabliertes Unternehmen, das uns ein ausgereiftes Asset- und Portfolio-Management-System bereitstellt. Wir werden Control IT gemeinsam auf die nächste Stufe ihrer Unternehmensentwicklung stellen, z.B. durch die Applikation in allen Immobiliensektoren, Cloud-Einsatzfähigkeit und Software as a Service-Lösungen (SAAS). Nicht zu vergessen unser Engagement bei WiredScore. Das Unternehmen bietet ein Zertifizierungssystem zum Thema Nachhaltigkeit von Gebäuden an (ähnlich wie LEED, BREEAM oder DGNB), mit dem die digitale Performance eines Gebäudes exakt gemessen werden kann. Das System wird bereits bei zahlreichen Portfolio-Immobilien von uns eingesetzt.

Innovation und Digitalisierung sind fortlaufende dynamische Prozesse.

estatements: Auf welche Kriterien kommt es bei solchen Investitionsentscheidung an?

Käsbauer: Grundlage unserer Entscheidungen ist ein strenges sog. Trichter-Auswahlverfahren, bei dem ein größerer Pool an potenziellern Partnern und Lösungen auf globaler Ebene auf den Prüfstand kommt. In jeder Phase sortieren wir Kandidaten aus, so dass am Ende nur noch eine überschaubare Anzahl an möglichen Partner übrigbleibt. Wir sind der Meinung, dass es grundsätzlich jede Menge Start-ups gibt, die attraktive Lösungen für unser Businessmodell in petto haben. Diese Unternehmen werden von uns anhand eines strengen Auswahlverfahrens identifiziert: welche Lösung bieten sie an? Welches Geschäftsmodell verfolgen sie? Wie können deren Lösungen unserer Business voranbringen? Mit den meisten wurden inzwischen weiterführende Gespräche über ihre Ideen, ihre Vision, ihre Produkte, ihren Investitionsstatus usw. geführt.

Unternehmen, die in die engere Auswahl kommen, werden anschließend zu einem unserer jährlich stattfindenden 40 bis 50 Workshops eingeladen und den relevanten operativen Abteilungen in unserem Haus vorgestellt. In einem weiteren Schritt startet mit dem potentiellen Partner ein erstes Pilotprojekt, das auf 3 bis 12 Monate angelegt ist. Verläuft dieses Pilotprojekt nach gemeinsamer Einschätzung positiv, wird die Zusammenarbeit vertraglich fixiert und die ausgewählte Lösung bei unseren jeweiligen Portfolios eingesetzt. Zeigt sich im Laufe dieses Prozesses, dass das Unternehmen für unser Business auch strategisch relevant sein könnte, prüfen wir entsprechende Investitionsmöglichkeiten.

estatements: Ab wann werden sich die Investitionen in Evana und Cognotekt für PATRIZIA bezahlt machen?

Käsbauer: Der Teil Dokumentklassifizierung wird bei uns bereits eingesetzt. Wenn wir die Datenextraktionsfunktion jedoch in allen unseren europäischen Niederlassungen einführen oder die Lösung bei allen betrieblichen Workflows implementieren möchten, wird dies noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Die KI muss zum Beispiel dahingehend erst trainiert werden, mit mehreren Sprachen und verschiedenen Datenmodellen klarzukommen.

estatements: Wird das Thema Digitalisierung in der Immobilienbranche weiter Thema bleiben?

Käsbauer: Innovation und Digitalisierung sind fortlaufende dynamische Prozesse. Bestimmte Weiterentwicklungen sind auch für die Immobilienbranche unerlässlich. Nehmen Sie zum Beispiel den Einsatz von Legacy-Software und die Notwendigkeit auf digitaler Ebene professioneller zu werden. Insofern wird uns dieses Thema noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Des Weiteren werden neue Technologien wie Cloud-Computing zu neuen Entwicklungen führen und uns zukünftig weitere unzählige Möglichkeiten eröffnen. Die Frage ist wie wir all diese Neuerungen ganz generell, aber vor allem in der Immobilienbranche effizient nutzen können.

estatements: Sie haben den Nutzen neuer Technologien bei der Optimierung operativer Abläufe angesprochen. Sehen Sie einen ähnlichen Nutzen auch bei der Verbesserung von Prognosen?

Käsbauer: Unsere Aktivitäten sind global und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern wie Universitäten, Think Tanks, Venture Capital Funds usw. auch. Erst vor kurzem haben wir ein Pilotprojekt mit einem KI-Spezialisten gestartet, der im Rahmen seiner Promotion an der Harvard University über Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung der Genauigkeit unseres Prognosemodells für die Miet- und Immobilienpreisentwicklung forscht. Die Genauigkeit war im Vergleich zu anderen Modellen vielversprechend, aber wir wollten zusammen die berühmte Extrameile gehen. Gemeinsam wurde ein Code entwickelt, der die Genauigkeit unserer Prognosen um 10% erhöht. Das klingt auf den ersten Blick nach nicht sehr viel, aber genau dieser Schritt macht den großen Unterschied aus und sorgt für fundiertere Investitions- und Managemententscheidungen.

estatements: Sind auch Partnerschaften geplant, bei denen Verbesserungen der Wohnqualität in Immobilien im Vordergrund stehen?

Käsbauer: Wir arbeiten heute bereits mit Unternehmen zusammen, die entsprechende Sensoren herstellen. Dabei werden Raumbelegung, Temperatur, Luftqualität und andere vergleichbar simple Merkmale gemessen. Derzeit testen wir diese Sensoren in einigen unserer Büros. Solche Daten sind gerade für unsere Vermögensverwaltungsteams hochinteressant, da mehr Daten immer auch bessere Entscheidungen bedeuten.

estatements: PATRIZIA hat eine eigene Abteilung für Technology & Innovation – ein Muss?

Käsbauer: Die Immobilienbranche ist voraussichtlich eine der letzten Branchen, bei denen innovative oder sogar disruptive Technologien durchschlagen werden. Grundsätzlich kann sich keine Branche diesen Entwicklungen entziehen. Es gibt auch in anderen Branchen aus der Vergangenheit genug Beispiele, bei denen selbst große Unternehmen solche Entwicklungen verpasst haben, dadurch in Schieflage gerieten oder vollständig vom Markt verschwanden. Uns soll das nicht passieren. Aufgabe unseres engagierten Technologie- und Innovationsteams ist es z.B. allgemeine Trends, die auch unser Business eines Tages verändern könnten, frühzeitig zu erkennen. Wir blicken dabei über den Tellerrand hinaus und beobachten auch globale Technologietrends außerhalb unserer Branche.

estatements: Wie würden Sie die Ihre Technologiestrategie für das Unternehmen umschreiben?

Käsbauer: Investitionen sind nur ein kleines Puzzleteil. Unser Ansatz ist kundenorientiert und durch ein branchenübergreifendes globales Trendscouting gekennzeichnet. Kundennähe bedeutet, dass wir unsere Produkte und die täglichen Interaktionen mit unseren Kunden kontinuierlich verbessern. Wir bewegen uns in einer kundenorientierten Branche, weshalb Optimierungen bei unseren Services von großer Bedeutung sind. Ein solcher kundenfreundlicher Ansatz wird auch unsere Operational Excellence erhöhen, die Identifikation von Zukunftschancen erleichtern und dazu beitragen, technologisch die Nase vorn zu behalten. Wir suchen Antworten auf die Frage: Wie können wir im Technologiebereich Lösungen finden, die uns als Unternehmen und als Branche bestmöglich weiterhelfen?

estatements: Inwieweit wird PATRIZIA seine Investitionsoffensive im Technologiesektor fortsetzen?

Käsbauer: Wir arbeiten kontinuierlich daran unsere Operational Excellence zu erhöhen. Wenn wir Möglichkeiten sehen diese zu verbessern und Partner auch strategisch zu uns passen, werden wir hier auch in Zukunft weiter investieren.

estatements: Vielen Dank für das Interview!