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Top-Lifestyle - unabhängig von den Sternen

Altbau plus Lifestyle: Designhotels hauchen alten Gebäuden neues Leben ein. Die Hotelgruppen Motel One und 25hours Hotels zeigen, dass Designhotels nicht teuer sein müssen. Sie bieten modernes Design in alten Mauern zu niedrigen Übernachtungspreisen an.

Vor etwa fünf Jahren beschloss die Motel One Group aus München, ihre Strategie zu ändern: Ihre Budget-Design-Hotels sollten nur noch in Premiumlagen stehen! Am besten gleich neben einem Luxushotel. Und genau wie dieses sollte jedes Budgethotel seinen eigenen Charme entwickeln. „Wir wollten den Wiener Markt überraschen“, sagt Gerhard Zeilinger, Regionalmanager des Betreibers Motel One Austria, einem Joint Venture der Motel One Group (München) und der Verkehrsbüro Hotellerie GmbH (Wien). Die Überraschung steht in Wiens 1. Bezirk in der Elisabethstraße, nur wenige Schritte neben der Staatsoper und im unmittelbaren Umfeld so berühmter Luxushotels wie dem Sacher oder dem Imperial. Die Überraschung gelang: Denn auch das neue Budget-Design-Hotel atmet K.-u.-k.-Flair in einem historischen Gebäude aus der Wende zwischen 19. und 20. Jahrhundert, das komplett saniert wurde und heute 400 Zimmer zählt.

Lifestyle meets Budget

Die benachbarte Staatsoper prägte das Thema: Selten findet man in einem Budgethotel restaurierte üppige Stuckdecken und Kronleuchter. Unter einem solch strahlenden Kronleuchter und auf rustikalem Eichenparkett stehen die türkisen Egg Chairs – die sogenannten Signature-Sessel von Motel One; sie erhielten in Wien einen königlich anmutenden Samtbezug. Das Frühstücksbuffet können Gäste im Wiener-Kaffeehaus-Stil auf Thonetklassikern genießen. Einer von vier Stühlen hat ein geschwungenes Bein – in Form eines Violinschlüssels. Über einem anderen Tisch hängen Posaunen in der Luft – als Lampe. Lobby und Bar assoziieren in ihrem Interior Design das Thema Ballett: Über einem schmalen Tisch hängen Lampenschirme in Form von luftigen Tutus, und das Bild der Balletttänzerin vervollständigt sich beim Blick auf die Stühle: Alle zehn stehen – aneinandergereiht wie die Perlen an der Schnur – auf den geschnürten Spitzenschuhen von Ballerinas. Hinter dem Bartresen finden sich die Balletttänzerinnen im Videoformat wieder: Leichtfüßig tanzen sie in drei goldenen Bilderrahmen und springen von Rahmen zu Rahmen…

Was heute so leicht und unterhaltsam wirkt, verbirgt das enorme Teamwork von Architekten und Technikern in einem teilweise denkmalgeschützten Gebäude – und das gehört auch noch zwei Eigentümern zu verschiedenen Teilen: beginnend mit Soravia Capital, die das Objekt später an ihre Tochter IFA AG weiterverkaufte und über die 220 private Investoren ihre Anteile zeichneten, sowie Motel One. Der IFA wurden 250 Zimmer zugeordnet und Motel One 150 plus Lobby mit Rezeption und Bar. Die Eigentümer hatten nur ein Ziel: aus dem zuletzt als Bürogebäude genutzten Haus ein 400-Zimmer-Hotel zu machen. „Nur mit dieser Zahl würde sich das Hotel rechnen; entscheidend dafür war die Achse des Hauses“, berichtet Franz Wiessler, Mitglied im Management von Motel One und verantwortlich für den Bereich Technik.

Doch zunächst musste das alte Gebäude gegen Erdbeben gesichert werden: Die Bauleute passten Gebäudetiefen, Flurbreiten und Treppenhäuser an, bauten verschiedene Zimmertüren nach, einzelne Zimmer sogar ab und an anderer Stelle wieder auf. Der Gast erkennt heute nur noch an verschiedenen Fliesen-wechseln im Haus den Übergang von einem Gebäudeteil in einen anderen. Die Statik hatte es in sich. Tragende Elemente mussten zusätzlich verpresst werden, Teile des Daches sogar neu nachgebaut und zweimal verstärkt werden, damit das gesamte Dach als ein durchgehendes wahrgenommen werden kann.

Kompromisse & Investitionen

„Es war alles schon teurer als ein Neubau“, gesteht der Cheftechniker von Motel One ein. Sonderwünsche haben die Kosten zusätzlich getrieben – allerdings sieht das Management dies auch aus der Sicht des Eigentümers und damit unter dem Aspekt der Wertsteigerung des Gebäudes. „Motel One möchte eben in die Top-Citylagen, und dort findet man oft nur noch Bestandsgebäude.“ Das verlangt Kompromisse und Investitionen. Hinzu kommt der Anspruch an die eigene Marke: „Wir sind eine Kette, aber eine mit Individualität.“ So soll sich die Geschichte der Lobby (One Lounge) in die Zimmer hineinziehen. Diese entwickeln aufgrund der Sachzwänge dieses Ensembles automatisch ihren eigenen Charme. Denn in viele verschiedene Grundrisse passt das Standarddesign nicht hinein. So gibt es vereinzelt freistehende Tischchen neben dem Bett, Wandschränke oder sogar noch ein Sofa in den größten Zimmern. Allen gleich aber die türkisfarbenen Samtvorhänge und -kissen vor einer edlen Tapete und gepolstertem Betthaupt. Franz Wiessler und das Motel-One-Management lesen den Erfolg des K.-u.-k.-Konzeptes im Motel One Wien-Staatsoper an einem ganz anderen, winzigen Detail ab: Viele Gäste verlassen das Budgethotel abends in großer Opernrobe. Das ist genau der Lifestyle, den die umliegenden Luxushotels fürchten. Und nicht nur diese.

Sicht auf die Fassade eines Hotels

Kennst du eins, kennst du keins

Diesen Respekt hat sich auch das 25hours Bikini-Berlin verschafft. Es steht direkt am Berliner Zoo, gegenüber dem Luxushotel Waldorf Astoria und der Gedächtniskirche. Und dort stehen am Wochenende die Berliner geduldig Schlange bis auf den Vorplatz hinaus, um noch ganz oben einen Platz im „Neni-Restaurant“ oder in der „Monkey-Bar“ zu erhaschen. Von hier kann man den Affen zuwinken. Berlin ist hip – und die Themenkonzepte der erst zehn Jahre alten deutschen Hotelgruppe The 25hours Hotel Company sind inzwischen ein Wow-Faktor in allen 25h-Städten – in Hamburg, Frankfurt, Wien und Zürich genauso wie in Berlin. Mit seinem Lifestyleansatz ist 25hours so sexy, dass sich Europas größte Kette Accor-Hotels an ihr Anfang November mit 30 Prozent beteiligt hat – plus Option auf mehr. „Kennst du eins, kennst du keins“: An dieses Motto hat sich das Team um 25hours-CEO Christoph Hoffmann bei jedem Projekt gehalten. Künstler, Filmschaffende und andere Querdenker kreieren  gemeinsam mit Interior Designern, Architekten und jungen Hoteliers das jeweilige Thema zur Stadt. Und begeistern damit sogar große institutionelle Anleger und klassische Bauunternehmen wie die zur Schörghuber-Gruppe gehörende Bayerische Hausbau aus München, der das Areal rund um das „Bikini-Berlin“ gehört.

Der lustige Name reflektiert die Geschichte dieses 200 Meter langen Gebäudes: Früher teilte ein von Säulen eingefasstes Luftgeschoss das Bauwerk in eine obere und eine untere Hälfte. Diese Besonderheit erinnerte an die damals revolutionäre neue Bademode, den Bikini. So wurde das Gebäude schnell als „Bikinihaus“ zum Begriff. Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble von 1957 wurde als Teil des historischen Zentrums am Zoo revitalisiert: Einzelhandel und Gastronomie, Pop-up-Stores, eine Concept Shopping Mall und Eventflächen ergeben heute eine lebendige Einheit in Top-Lage. Das Kleine Hochhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bikinihaus beherbergt das Designhotel 25hours mit seinem „Großstadtdschungel“: 149 Zimmer im Jungle-Stil mit Blick auf den Zoo oder im Urban Style mit Blick auf die Gedächtniskirche. Wer nachts das Fenster zum Zoo öffnet, wird morgens von ungewohnten Tiergeräuschen geweckt. Der Eingang auf Straßenlevel ist schmal, auf dem Weg zum Fahrstuhl umrundet der Gast einen Trabbi, im 3. OG empfängt ihn ein Rezeptionstresen mit lindgrünen Kacheln aus alten Berliner U-Bahn-Tunnels – und eine Loftarchitektur mit viel offenem Raum, gegliedert durch „Corners“. Im 10. OG das Highlight: die Monkey-Bar.

Barblick auf den Zoo 

Acht Monate vor der Eröffnung stieg 25hours ein. Alles war noch roh, die Stützen waren noch zu sehen, erinnert sich Projektmanagerin Anne-Katrin Heitmann. Da 25hours viel mit offenen Flächen und losen Möbeln als Raumtrenner operiert, gestaltete sich das Interior Design allerdings einfacher als in klassischen Hotels. 25hours bestand außerdem auf offene Decken mit ihren freiliegenden Rohren: Das alte Bikinihaus sollte nicht versteckt werden. Das oberste Geschoss, die Monkey-Bar, entstand als neuer Aufsatz, auch um sich einen USP zu sichern: den Zooblick. Die Treppenstufen an der Monkey-Bar heben die Gäste höher, geben allen einen Blick auf die Tier-gehege und die Stadt Berlin frei und fördern ganz neben bei den Small Talk mit dem Sitznachbarn beim Drink. So wie diese Treppen dem Zooblick eine gewisse Theatralik verleihen, zieht auch das erhöhte und begrünte Glas-Gewächshaus mitten im Neni-Restaurant die Gäste magisch an. Inspiriert von der Idee des „Urban Farmings“ entwickelten zwei Berliner nur für das 25hours Bikini ein Mikrogartensystem – mit Kräutern (Microgreens), die in der Küche verarbeitet werden. In diesem Hotel „passiert sicherlich sehr viel mehr als nur Einchecken, Schlafen, Frühstücken“, sagt Werner Aisslinger. Recht hat er. Dieses Lifestyle-Erlebnis, kombiniert mit moderaten Preisen in einer Premiumlage Berlins, kann sich nur zu einer Erfolgsformel entwickeln.