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Nennen wir es glokal

In den letzten 30 Jahren hat sich PATRIZIA kontinuierlich verändert und strategisch weiterentwickelt. „Wir sind angetreten, um der globale Anbieter von Immobilieninvestments in Europa zu werden“, sagt PATRIZIA COO Klaus Schmitt. Über das weitere Vorgehen, die nächsten Schritte und warum das Stichwort „glokal“ so perfekt auf PATRIZIA passt – darüber spricht er im estatements Interview.

estatements: Herr Schmitt, groß, größer, PATRIZIA – ist das das neue Mantra? 
Klaus Schmitt: Ganz und gar nicht. Es ist nur so, dass sich die Immobilienbranche im letzten Jahrzehnt stark gewandelt hat. Lange war sie kleinteilig und eher regional, allenfalls noch national aufgestellt. Heute gehört der Markt denjenigen, die sich vergrößern, breiter werden, expandieren. Mit den Unternehmensübernahmen von Sparinvest, 
TRIUVA und Rockspring haben wir unsere Präsenz dahingehend verstärkt, dass wir nun in allen Kernmärkten Europas eine Größe erreicht haben, die es uns erlaubt, nachhaltig für unsere Kunden tätig zu sein.  

estatements: Wie ist die Situation an den Immobi­lieninvestmentmärkten?
Schmitt: Die Lage am Investmentmarkt ist heute die wohl anspruchsvollste, die es je gegeben hat. Die Immobilienwelt ist vor dem Hintergrund niedriger Zinsen und fehlender Anlagealternativen nach wie vor geprägt von einer gestiegenen, preistreibenden Nachfrage sowie stark sinkenden Renditeniveaus. Insgesamt wird der Druck auf die Immobilienpreise weiter anhalten, da Investoren ihre Immobilieninvestments weiter erhöhen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass europäische institutionelle Investoren im Durchschnitt die Immobilienquoten in ihren Investmentportfolios von 9,7 auf 12,1 Prozent erhöhen wollen. Diese Erhöhung in Verbindung mit dem allgemeinen Wachstum der Portfoliogrößen der Investoren führt zu einem deutlichen Kapitalzufluss in die Immobilienmärkte.   

estatements: Was bedeutet das konkret?
Schmitt: Lassen Sie mich ein Beispiel nennen. Einer unserer „ältesten“ Kunden verfügte im Jahr 2000 über ein Gesamtportfolio von 14 Milliarden Euro, davon waren vier Prozent, also rund 500 Millionen Euro in Immobilien investiert. Mittlerweile ist das Gesamtportfolio des besagten Kunden auf 25 Milliarden Euro gewachsen und die Immobilienquote hat sich gleichzeitig auf acht Prozent verdoppelt. Die Immobilieninvestments haben sich damit auf zwei Milliarden Euro vervierfacht. Und das ist keine Ausnahme. Allein 2016 flossen 80 Milliarden Euro in den europäischen Immobilienmarkt und damit fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. 

estatements: Wie wirkt sich das auf die Investorenlandschaft aus?
Schmitt: Die Investoren sind zunehmend anspruchsvoller geworden, haben höhere Erwartungen, sind verstärkt im internationalen Kontext unterwegs und agieren nach internationalen Maßstäben. In diesem Sinne  setzen sie auf Investmentmanager, die mit ihnen wachsen und in der Lage sind, die gestiegenen Volumina erfolgreich zu investieren und zu managen. Genau diesem Kundenwunsch trägt unsere Strategie Rechnung. 

estatements: Was ändert sich durch die Übernahmen von Sparinvest, TRIUVA und Rockspring?
Schmitt: Durch die Übernahme von Sparinvest, die seit Januar 2018 als PATRIZIA Multi Managers am Markt auftritt, können wir unseren Kunden eine neue Produktlinie anbieten und uns selbst dadurch neue Märkte erschließen. Was TRIUVA angeht, so führen wir deren Weg, europaweit für Kunden in Gewerbeimmobilien zu investieren, linear fort, allerdings mit dem Vorteil, dass wir ein größeres paneuropäisches Netzwerk anbieten und über eine langfristig stabile Eigentümerstruktur verfügen. Über Rockspring haben wir Zugang zu neuen, internationalen Kunden, bauen unseren Hub in London deutlich aus und bieten zukünftig auch diskretionäre Investments an. 

estatements: Wie profitieren die Kunden von den Übernahmen?
Schmitt: Unsere Kunden profitieren von einer
verbreiterten Produktpalette sowie einem noch größeren Leistungsspektrum. Sie können über uns noch stärker in neue Märkte, Assetklassen und Risikoprofile investieren – und das europaweit. Wir bestätigen so unsere Position als einer der führenden unabhängigen Immobilien-Investmentmanager in Europa: Weder konzern- noch banken-gebunden suchen wir für unsere Kunden stets die Objekte und Projekte, bei denen wir für sie den größten Mehrwert sehen.   

estatements: Wie sieht die zukünftige Aufstellung der PATRIZIA aus?
Schmitt: Sparinvest, TRIUVA und Rockspring werden in die PATRIZIA Gruppe integriert, sodass es mittelfristig nur einen Marktauftritt geben wird. In Summe werden wir künftig europaweit ein Immobilienvermögen von ca. 40 Milliarden Euro betreuen. Dabei ist es uns nach wie vor sehr wichtig, dass PATRIZIA sich auf der einen Seite lokal aufstellt – mit lokalem Wissen und Experten vor Ort – und gleichzeitig im globalen Kontext Immobilieninvestments in ganz Europa anbietet.   

estatements: Lokal agieren, global aufgestellt sein. Ist das nicht immer ein Spagat? 
Schmitt: Nennen wir es den glokalen Ansatz! Wir haben innerhalb der Märkte eine ausgeprägte Regionalität, arbeiten mit „Lokalisten“, was unsere Investoren äußerst schätzen. Und das tun wir inzwischen in fast jedem Markt und Segment. Die perfekte Mischung. 

estatements: Sind weitere M&As geplant?
Schmitt: Aktuell steht nichts an, aber wir prüfen natürlich nach wie vor alle Möglichkeiten, die uns der Markt bietet. Nach den jüngsten Übernahmen verfügen wir über eine Liquidität  von etwa 450 Millionen Euro – ausreichend also, um eventuell entsprechend handeln zu können. 

estatements: Wie intergriert man neue Firmen?
Schmitt: Die Integration ist eine große Aufgabe – und eines unser Fokus-themen für 2018. Eine Unternehmensübernahme ist nicht durch das Unterzeichnen der Verträge ein Erfolg. Dazu wird sie erst, wenn die Integration geschafft ist. Überspitzt gesagt: Kaufen kann jeder. Die wahre Kunst liegt in der gelungenen Integration – und solche haben wir ja in den letzten Jahren bereits häufig erfolgreich umgesetzt.  

estatements: Wirkt sich der Integrationsprozess auf den operativen Alltag aus?
Schmitt: Wir haben Teams von Spezialisten, deren alleinige Aufgabe es ist, den Integrationsprozess in all seinen Facetten zu steuern und umzusetzen. Dadurch können sich alle anderen PATRIZIA Mitarbeiter unverändert und uneingeschränkt weiter auf das operative Geschäft konzentrieren, sodass wir wie gewohnt bestmöglich im Sinne unserer Kunden agieren können.   

Das Interview führte Simone Wipplinger.