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Indien abseits der IT-Branche

Die PATRIZIA Children Foundation setzt sich für besonders benachteiligte Mädchen in Indien ein und hat im südindischen Porayar jetzt ihr 17. Children Center eröffnet.

So reich und doch so arm 

Ein Land der Widersprüche: Einerseits boomt in Indien die zukunftsträchtige IT‑Branche mit rund 160 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Andererseits leben fast 70 Prozent der Inder in ländlichen Regionen in ärmlichen Verhältnissen. Die Gesellschaft ist geprägt vom traditionellen Kastenwesen (s. Infobox), Frauen werden benachteiligt und Mädchen aufgrund der teuren Mitgift, die von der Familie des Bräutigams erwartet wird, oft sogar von ihren Familien verstoßen. Die PATRIZIA Children Foundation setzt sich für besonders benachteiligte Mädchen in Indien ein und hat im südindischen Porayar jetzt ihr 17. Children Center eröffnet.

Indien hat ein Wirtschaftswachstum von aktuell 7,3 Prozent und zählt zu den stärksten Export-Volkswirtschaften der Welt. Unter den 1,3 Milliarden Indern leben die meisten Millionäre und Milliardäre weltweit. Die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts fallen auf den innovativen Dienstleistungssektor, das Aushängeschild Indiens.

Indiens gesellschaftlichen Gegensätze

Doch nur knapp 27 Prozent der indischen Bevölkerung arbeiten in der Dienstleistungs-Branche, vor allem in großen Städten wie Bangalore (Spitzname: indisches Silicon Valley), Mumbai und Delhi. Jeder zweite Inder lebt von der Landwirtschaft, die für das Bruttoinlandsprodukt nur magere 14 Prozent ausmachen.

 Bei der Geburt einer Tochter ist die Freude häufig verhalten, jährlich werden sogar rund 3 Millionen weibliche Föten abgetrieben.

Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in enormem Wohlstand und bitterer Armut wider. Der Human Development Index der Vereinten Nationen listet Indien auf Platz 130 von 189. Denn gerade auf dem Land, wo fast Dreiviertel der indischen Bevölkerung lebt, können sich viele Familien nur knapp über Wasser halten.

Bildung ist in ländlichen Gebieten Indiens nebensächlich

Sind Eltern als einfache Tagelöhner auf den Feldern, als Handwerker oder Fischer tätig, können sie die Ausbildung für ihre Kinder finanziell meist nicht stemmen. Stehen für eine schulische Ausbildung ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung, werden zuerst die Jungen der Familie gefördert.

Bei der Geburt einer Tochter ist die Freude häufig verhalten, jährlich werden sogar rund 3 Millionen weibliche Föten abgetrieben. Der Grund ist die Mitgift, das „Geschenk zur Hochzeit“ für den späteren Ehemann, die in der Regel sehr hoch ist. Finanzielle Not zwingt Familien häufig dazu, ihre Mädchen zu verstoßen oder sie sehr jung zu verheiraten, um die finanzielle Last an andere zu übergeben.

 Sabine Schillinger-Köhne ist als Vorstandsmitglied der PATRIZIA Children Foundation nach Porayar gereist, hat Gespräche mit Verantwortlichen vor Ort geführt und weitere Unterstützungsmöglichkeiten eruiert.

Die Stellung der Frau in Indien verbessert sich nur langsam

Das niedere Ansehen des weiblichen Geschlechts führt zur Unterdrückung von Frauen und sexueller Gewalt. Neben den bereits eingeführten verschärften Anti-Vergewaltigungs-Gesetzen der Regierung ist unbedingt Aufklärungsarbeit notwendig, um die gleichen Rechte für beide Geschlechter, die in der indischen Gesetzgebung verankert sind, im Alltag auch durchzusetzen.

Die PATRIZIA Children Foundation setzt sich mit einem ihrer neusten Projekte gezielt dafür ein, die Rechte von indischen Mädchen zu stärken und ihnen zu Bildung zu verhelfen. Die Stiftung der PATRIZIA AG hat im südindischen Porayar ein zweistöckiges Mädchenwohnheim erbaut, in dem 240 Mädchen aus zerrütteten Familien oder ohne Eltern ein sicheres Dach über dem Kopf haben.

Das vorherige Wohnheim hatte aufgrund eines Termitenbefalls die Betriebserlaubnis verloren. Doch die PATRIZIA Children Foundation konnte, gemeinsam mit anderen, schnell zum Neubau verhelfen.

Ziele des neuen Children Center: Selbstständigkeit und Bildung für die Mädchen

Im neuen PATRIZIA Child Care Porayar haben die Mädchen feste Strukturen, bekommen geregelte Mahlzeiten und finden bei den Mitarbeiterinnen ein offenes Ohr. Jede Bewohnerin übernimmt einzelne Aufgaben und lernt so, eigenverantwortlich und selbstständig zu handeln. Aber die Kinder können sich im großen Innenhof auf dem Spielplatz auch einfach austoben. Dank der Schule in unmittelbarer Nähe haben die Mädchen Zugang zu schulischer Bildung. Mit dem Schulbesuch legen die Mädchen den Grundstein für eine anschließende Ausbildung.

Sabine Schillinger-Köhne ist als Vorstandsmitglied der PATRIZIA Children Foundation nach Porayar gereist, hat Gespräche mit Verantwortlichen vor Ort geführt und weitere Unterstützungsmöglichkeiten eruiert. Nach dem Besuch ist sie trotz der vielen Einzelschicksale der Bewohnerinnen optimistisch: „Die Mädchen machen spürbar und greifbar, dass es nicht nur die Umstände sind, die entscheiden, ob ein Leben gut oder schlecht ist. Sondern auch die Einstellung und die positive Haltung – beides zeigt eine bewundernswerte Stärke.“ Die PATRIZIA Children Foundation setzt sich gemeinsam mit ihren Partnern dafür ein, gesellschaftliche Missstände in Indien zu thematisieren und ihnen aktiv entgegenzuwirken.