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Fortschrittlich in Fonds investieren

Wenn wir Musik hören, laden wir uns die Lieder aus der Cloud herunter. Benötigen wir einen USB-Stick, neue Sportschuhe oder ein aufblasbares Planschbecken, kaufen wir die Dinge online bei Amazon. Und wenn wir einen Dauerauftrag ändern wollen, regeln wir das mit dem Smartphone über die App unserer Bank.

Die Digitalisierung bestimmt unseren Alltag, und häufig ist sie schon so selbstverständlich geworden, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken. Logisch, dass auch die Anbieter von Finanzprodukten in der virtuellen Welt Fuß fassen wollen. Bislang haben jedoch nur wenige Fondsinitiatoren die digitalen Vertriebswege betreten. Doch das dürfte sich ändern.

Die Digitalisierung wird die Immobilieninvestmentmärkte auf vielfältige Weise verändern“, prophezeit Dr. Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School. Das würde sowohl die Geschäftsprozesse betreffen als auch neue Geschäftsmodelle zur Herausforderung für traditionelle Marktteilnehmer. „Durch die Digitalisierung wird es zu neuen Vertriebswegen kommen, wobei internetbasierte Transaktionsplattformen für Investments zur Kontaktaufnahme zwischen Verkäufer und Käufer dienen“, so Vornholz. Beide Vertriebsmöglichkeiten würden jedoch nicht substitutiv, sondern ergänzend genutzt. 

Neue Geschäftsmodelle können außerdem durch die FinTechs erfolgen. FinTech setzt sich aus den Wörtern Financial Services und Technology zusammen. Der Begriff bezeichnet Unternehmen und Anwendungen, die auf digitale Vernetzung bei Finanzdienstleistungen setzen. Vorangetrieben werden FinTechs vor allem von Start-up-Unternehmen, die innovative Dienste etwa in Form von Smartphone-Apps zum Beispiel für mobile, webbasierte Zahlungssysteme und Bankgeschäfte anbieten. Sie erlauben neuartige Lösungen von Anwendungssystemen, die eine Neu- oder Weiterentwicklung im Finanzdienstleistungsbereich darstellen und sich auch auf die Immobilien- und Investmentmärkte auswirken. 

Online zeichnen

Alexander Betz, Vorstand der eFonds AG, hat derzeit wohl den besten Überblick über die digitalen Pläne der Beteiligungsbranche. Seit Anfang des Jahres bietet das Unternehmen über die Seite www.eFonds.de unter der Schaltfläche „Jetzt kaufen“ eine Liste der Vermittler, bei denen Privatkunden geschlossene Publikumsinvestmentvermögen online zeichnen können. Privatanleger werden auf die Internetseiten der jeweiligen Vertriebs-partner gelotst und dort durch einen transparenten Dialog geführt, bei dem sie ihre Legitimation und qualifizierte Signatur via Videochat vollziehen. Alle Vorgänge, Informationen und Dokumente werden papierlos bereitgestellt. Der Anleger kann seine Beteiligungen im persönlichen Sachwerte-Portfolio zusammenführen, so wie er es bereits vom Depotauszug für Wertpapiere kennt.

Zwar ist die Liste der Banken und freien Finanzdienstleister noch relativ kurz, doch Betz ist zuversichtlich, dass sich die Auswahl in absehbarer Zeit deutlich erweitert: „Wir rechnen bis zum Ende des Jahres mit 100 Banken und Sparkassen und 50 freien Finanzdienstleistern.“ Er weiß von 140 Verträgen, die eFonds auf Anforderung der Vertriebe versandt hat.

Betz berichtet, dass private Zeichner von Publikumsfonds über den digitalen Weg im bislang abgelaufenen Jahr rund eine Million Euro in die AIFs eingezahlt haben. Das sei zwar nur ein Bruchteil der 150 Millionen Euro, die eFonds seit Anfang des Jahres mit geschlossenen Beteiligungen umgesetzt hat, doch immerhin ein Anfang.

Der eFonds-Vorstand setzt beim digitalen Vertrieb vor allem auf die Banken: „Die Onlinezeichnung bietet den Banken und Sparkassen die einzige Möglichkeit, Anteile an geschlossenen AIFs zu vermitteln, ohne ihre Kunden zu beraten.“ So umgehen die Banken das Problem, von den Anlegern in die Haftung genommen zu werden, sollte sich ein geschlossener AIF schlechter entwickeln als prognostiziert – was in der Vergangenheit nicht selten passiert ist.

Schnell & unkompliziert

Aber auch aufgeklärte private Investoren haben gute Gründe, auf den Beratungsprozess zu verzichten. Er ist zeitraubend und aufwändig – und passt daher nicht mehr in die digital bestimmte Welt der nachrückenden Generation der Bankkunden und Kapitalanleger. Im klassischen Geschäft hat die Bankfiliale längst digitale Konkurrenz erhalten: So finden 70 Prozent der Kontakte deutscher Kunden über elektronische Kanäle statt – Tendenz und Bedeutung steigend.

Das ist ein Ergebnis des zum dritten Mal in Folge vom FinTech-Unternehmen FIS veröffentlichten „PACE Survey“. Dabei untersuchte der Anbieter von Software und Services für die Finanzbranche die Kundenzufriedenheit bei Geldinstituten weltweit. In Deutschland bewerteten 1.000 Kunden die Leistungen ihrer Hausbank anhand von 18 Kriterien.

Mobile Millennials

Besondere Treiber des Onlinetrends sind die Millennials als Bankkunden im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Die Nutzung mobiler Endgeräte – etwa zur Kontoverwaltung via App – gewinnt durch diese Gruppe zunehmend an Bedeutung. So finden bei Millennials 4,5 Kontakte pro Monat über mobile Endgeräte statt, bei der Generation X (37–51 Jahre) nur 2,7 Kontakte und bei den Babyboomern (52–70 Jahre) ist es im Durchschnitt lediglich ein Kontakt. Insbesondere Volksbanken und Sparkassen stehen dabei vor der Aufgabe, sich ihre starke Ausgangsposition bei der jungen Generation an Kunden zunutze zu machen. Rund 44 Prozent der befragten Millennials haben ein Konto bei einer Sparkasse und 28 Prozent bei einer Volksbank.

Daher kann es nicht überraschen, dass bislang vor allem die Volks- und Raiffeisenbanken offen sind für digitale Vertriebswege auch bei geschlossenen AIFs. Doch der Onlineverkauf der Anteile über zwischengeschaltete Banken und freie Finanzdienstleister ist nur ein Weg des digitalen Vertriebs. Der andere geht direkt über den Anbieter. Doch hier geben sich die Unternehmen weitgehend zurückhaltend. So bietet die „Patrizia Grund-Invest“ Privatanlegern über ihre Platzierungspartner eine Möglichkeit zur Onlinezeichnung von Anteilen an ihren geschlossenen Immobilienfonds an.

Transparenz garantiert

„Die Möglichkeit der eDirektzeichnung ist ein Mehrwert für Anleger im Onlinezeitalter. Kunden können nun ganz bequem von zu Hause und rund um die Uhr ein Sachwertinvestment zeichnen. Durch einen zertifizierten Prozess wird die volle Transparenz über alle relevanten Informationen sichergestellt“, sagt Andreas Heibrock, Geschäftsführer der PATRIZIA GrundInvest. Heibrock betont, dass er die Onlinedirektzeichnung in erster Linie als Unterstützung der Vertriebspartner betrachtet. „Kaum ein Anleger besucht unseren Online-auftritt, wenn er Geld investieren will. In der Regel erwartet er sich doch auf den Internetseiten seiner Hausbank Angebote, um sein Kapitalanlageproblem zu lösen.“ 

Wohin die digitale Reise geht, zeichnet sich bereits ab. Und auch hier spielen die Themen Beratung und Haftung eine entscheidende Rolle. Keinerlei Beratung für den Endkunden – das ist der Ansatz der Robo-Advisors. Bei diesem System beantworten die Anleger Fragen online und bekommen anschließend eine Reihe von Angeboten automatisch präsentiert. Dirk Fischer, Geschäftsführer der Patriarch Multi-Manager GmbH, sieht darin die Zukunft des Vertriebs: „Die Vorteile liegen auf der Hand: Robo-Advisor sind schnell, kommen ohne Terminabstimmung und ohne Papierwust aus.“ Er zählt in Deutschland aktuell 13 verschiedene Robo-Advisors, die allerdings noch kaum eine Marktbedeutung haben. Bei einem Gesamtvolumen von 2,8 Billionen Euro in den offenen Investmentfonds kämen sie auf 700 Millionen Euro – ein Anteil von 0,025 Prozent. Doch der Trend scheint unumkehrbar. „In den USA nutzen bereits Hunderttausende Anleger Robo-Advisors, die mehrere Milliarden Dollar verwalten“, berichtet Fischer.

Keine Frage des Alters Klar ist aber auch, dass die Robo-Advisors nicht für alle Kunden in Frage kommen. Immerhin verlassen sie sich in der Regel auf ein Start-up ohne Unternehmenshistorie, das sich über Private Equity finanziert. Die Konzentration auf einige wenige Anbieter erscheint realistisch. Das Alter der Kunden ist grundsätzlich übrigens kein Kriterium für Internetaffinität. Das betont Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung der European Bank for Financial Services, eine Tochter der Comdirect Bank und eine der führenden Plattformen für Investmentfonds in Deutschland: „Unser ältester Online-User ist 85 Jahre alt.“


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