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Fortschritt ist Leben

Anne Kavanagh ist seit April 2017 als Chief Investment Officer (CIO) bei PATRIZIA tätig. Sie weiß, dass Fortschritt bei den Menschen ganz unterschiedliche Gefühle auslösen kann, ist selbst jedoch eine absolute Fortschrittsoptimistin. Allerdings mit ausgeprägtem Hang zur Tradition. Eine gute Mischung – und nur ein Aspekt, über den sie mit uns zum Thema Fortschritt gesprochen hat.

estatements Magazin: Frau Kavanagh, was verstehen Sie persönlich unter Fortschritt? 

Anne Kavanagh: Fortschritt bedeutet für mich Bewegung, eine veränderte  Haltung oder Denkweise. Etwas, das uns nach vorne bringt und die aktuelle Situation verbessert. 

estatements: Gehören Sie eher zu den Fortschrittspessimisten oder zu den -optimisten?

Kavanagh: Ich bin eine durch und durch positiv eingestellte Person. Für mich ist das Glas meistens halb voll, das ist meine Natur. Und deswegen bin ich, was die Fortschrittsthematik angeht, eher neugierig-offen und positiv erfreut als ablehnend oder gar ängstlich. Nehmen wir nur mal die enormen Fortschritte, die es im 20. und 21. Jahrhundert beispielsweise im Bereich der Technologie und Medizin gab. Die meisten davon empfinde ich persönlich als sehr hilfreich, sie erleichtern viele Dinge. So hat sich beispielsweise das Leben von Frauen in der westlichen Gesellschaft durch Bildung und technologische Fortschritte maßgeblich verändert.

estatements: Hebelt der Fortschritt Ihrer Meinung nach Traditionen aus?

Kavanagh: Nicht unbedingt. Gutes bleibt – das habe ich immer wieder festgestellt – und wird so zur Tradition. Unser Leben, ob privat oder geschäftlich, ist voller solcher Rituale und Traditionen – von unserer ersten bis zu unserer letzten Stunde: Taufe, Hochzeit, Abschlussfeier, Jahrestage und schließlich der Tod selbst; das sind Meilensteine im Leben, die in fast allen Kulturen und Gesellschaften respektiert werden. Dabei schreiten selbstverständlich auch Traditionen voran, wandeln sich. Für mich ist das eine großartige Kombination, da so das Beste von Gestern und Morgen im Heute zusammentrifft.  

estatements: Verstehen Sie, dass es Menschen gibt, die das anders empfinden?

Kavanagh: Dass Fortschritt durchaus besorgniserregend oder sogar teilweise beängstigend sein kann, kann ich nachempfinden. Heute Morgen habe ich drei Leute nach ihrer Definition von Fortschritt befragt. Und ich habe drei ganz verschiedene Antworten bekommen, eine davon übrigens genau mit diesem Fokus ‚Angst vor Veränderung‘. Wenn man versucht, Veränderungen umzusetzen und diese nicht entsprechend kommuniziert oder unterstützt, stößt man in der Regel auf Widerstand. Es ist hilfreich, sich der verschiedenen Reaktionen bewusst zu sein, sich entsprechend darauf einzustellen und die Leute dazu zu ermutigen, Veränderungen so in ihrem eigenen Umfeld positiv aufzunehmen. 

estatements: Wie ist das mit Fortschritt und Veränderung in einem Unternehmen?

Kavanagh: Im Prinzip ganz ähnlich. Je nach Größe des Unternehmens wird es immer Mitarbeiter geben, die den Fortschritt begrüßen, ebenso wie diejenigen, die ihm eher zurückhaltend gegenüberstehen. Ausschlaggebend ist hier, dass das Management sich einbringt, offen für Feedback, neue Ideen und Ansätze ist. Veränderungen sollten dabei offen, vor allem aber nachvollziehbar und mit Relevanz für den Einzelnen kommuniziert werden.

estatements: Das hört sich einfach an…

Kavanagh: (lacht) … ist aber eine ganz schöne Herausforderung, absolut! Es ist ein bisschen so wie mit dem technischen Fortschritt. Man findet ihn eigentlich gut, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, aber er bringt auch oft Herausforderungen mit sich, kann bisweilen frustrierend sein. Und das alles fällt noch viel mehr ins Gewicht, wenn man wie wir bei PATRIZIA über Landesgrenzen hinweg, also in einem multikulturellen Team arbeitet. Missverständnisse sind da quasi vorprogrammiert – ganz besonders beim Kommunizieren via E-Mail. Jede Sprache hat schließlich ihre ganz eigene Ausdrucksweise, jedes Land feste Regeln im Umgang miteinander. Das Wissen darum muss man sich erst aneignen, um zu verstehen und somit erfolgreich zu arbeiten. Gute Kommunikation ist das A und O – im Privatleben wie auch im Beruf.     

estatements: Wie stellt sich das bei PATRIZIA dar? 

Kavanagh: PATRIZIA blickt auf eine in mehr als 30 Jahren hinweg gewachsene, solide Basis an Werten. Diese gilt es für die Zukunft zu wahren, aber gleichzeitig entsprechend weiterzuentwickeln. Gegenseitiger Respekt, ein ausgeprägter Teamgedanke und eine offene, den Einzelnen ermutigende Kultur – das sind Attribute, die zeitlos sind. Andere Aspekte – wie beispielsweise unsere Internationalität – beeinflussen und verändern aber unsere Arbeitsweise. Die sehr positiven, vorhandenen Grundwerte verändern sich entlang dieser Vorzeichen mit. 

estatements: Haben Sie vielleicht ein Beispiel aus dem operativen Alltag? 

Kavanagh: Die Tätigkeit des Investmentmanagers ist in den letzten fünf bis zehn Jahren enormen Veränderungen unterlegen. Heute übt man diesen Beruf moderner, kreativer und fortschrittlicher aus. Für uns bei PATRIZIA bedeutet das: Wir verwalten als Investmentmanager nicht mehr nur Gelder. Wir arbeiten damit, jeden Tag, sind flexibel denkend und agieren stets mit einem klaren Fokus: Das beste Ergebnis für denjenigen zu erzielen, der uns seine Mittel anvertraut hat. Was das für unsere Investoren bedeutet, zeigt beispielsweise der Verkauf der LBBW Immobilien GmbH mit ihren rund 20.000 Wohnungen. 2012 haben wir diese im Auftrag eines Investorenkonsortiums übernommen, 2015 verkauften wir die nun als Südewo firmierende Gesellschaft weiter an die heutige Vonovia. Damit realisierten wir den Exit deutlich früher als im Businessplan vorgesehen, aber wir haben so für das Investorenkonsortium einen echten Mehrwert erzielen können. 

estatements: Fortschritt begünstigt also den Wandel? 

Kavanagh: Absolut. Im Grunde ist es egal, ob wir die industrielle Revolution, die Urbanisierung, den technischen oder medizinischen Fortschritt oder die Veränderungen in einem Geschäftsmodell nehmen – der Wandel ist vorgegeben, beinahe evolutionär. Die Herausforderung, wenn es um Fortschritt geht, ist viel eher die Fähigkeit der Menschen, mit dem Tempo oder der Geschwindigkeit des Wandels umzugehen. Nach Zeiten tiefgreifender Veränderungen wäre oft eine Zeit der Reflexion oder Konsolidierung erforderlich, die in der heutigen Schnelllebigkeit nicht immer stattfindet. Das kann manchmal dazu führen, dass Einzelne aus dem Gleichgewicht kommen, während sie sich auf die nächste Welle des Wandels zubewegen.

Das estatements Magazin bedankt sich für das Gespräch!


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